Tom Horton, der CEO der AMR Corporation, welche Muttergesellschaft von American Airlines (AA) ist, hat sich gestern in einem Brief an die insgesamt 88’000 Angestellten des Konzerns gewandt. In diesem Brief, welcher TRAVEL INSIDE vorliegt, skizziert Horton die weiteren Schritte, welche das momentan unter Gläubigerschutz nach «Chapter 11» stehende Unternehmen tätigen wird.
Horton legt dar, wie die wichtigsten inneramerikanischen Konkurrenten von AA frühere Gläubigerschutzverfahren für eine komplette Restrukturierung verwendet haben und heute folglich besser dastehen als AA, welche bis vor Kurzem noch nie unter Gläubigerschutz gestanden hatte. Die Eckpunkte für eine Rückkehr in die Profitabilität und für eine nachhaltige Zukunft umschreibt Horton wie folgt:
- Erneuerung der Flotte (Investitionen von rund USD 2 Mia. pro Jahr) mit dem Ziel, per 2017 die jüngste Flotte in Nordamerika und vor allem eine energieeffizientere Flotte zu haben.
- Ausbau des heimischen Netzwerks um rund 20% mit Konzentration auf die fünf Kernmärkte Dallas/Fort Worth, Chicago, Miami, Los Angeles und New York.
- Modernisierung der Marke, der Produkte und der Dienstleistungen mit Investitionen von «mehreren hundert Millionen Dollar pro Jahr».
Horton will das finanzielle Resultat innert Kürze um insgesamt USD 3 Mia. verbessern: Die Revenue soll dank der oben dargestellten Massnahmen um USD 1 Mia. verbessert werden, während USD 2 Mia. durch Kostensenkungsmassnahmen erzielt werden sollen. Hierbei spricht Horton von verbessertem Schuldenmanagement, dem Grounding von alten Flugzeugen und «necessary employee-related changes».
USD 1,25 Mia. pro Jahr sollen bei den Arbeitnehmern eingespart werden. Jede Abteilung, inklusive Management, soll um 20% tiefere Kosten verursachen. Horton nennt die in den Medien kolporierte Zahl von 13’000 gestrichenen Stellen nicht, soll diese Zahl aber gegenüber einem BBC-Reporter genannt haben. Die BBC hat bereits vorgerechnet: Rund 4600 Stellen fallen in der Maintenance weg, weitere 4200 bei der Gepäckabfertigung, dazu 2300 Flugbegleiter, 1400 Manager und 400 Piloten.
Zuletzt appelliert Horton an seine Belegschaft, die notwendigen Strukturänderungen mitzutragen, stellt «performance rewards» in Aussicht und umrahmt die Gefahren, welche im Reorganisationsprozess noch vor AA liegen. Verklausuliert wird klar, dass Horton vor allem an die drei grossen Gewerkschaften appelliert, welche das Gros der AA-Mitarbeiter vertreten, sich unterzuordnen statt den Erneuerungsprozess zu behindern. Ob sie dies tun werden, ist anzuzweifeln, zumal AA offenbar auch laut über Pensionskürzungen nachdenkt.
Zahlen allein machen klar, wieso AA dringend restrukturieren muss: Während zum Beispiel United/Continental positive Geschäftszahlen für 2011 präsentierte, erwirtschaftete AA in den ersten drei Quartalen 2011 einen Verlust von USD 884 Mio. und hat seit 2001 insgesamt über USD 11 Mia. verloren.
