Letztes Jahr liess Singapore Airlines verlauten, dass sie allenfalls bereit wäre, ihre 49%-Beteiligung an der britischen Fluggesellschaft Virgin Atlantic zu verkaufen. Offenbar gibt es jetzt in Delta Air Lines einen ernsthaften Interessenten. Die zweitgrösste US-Airline will damit unbedingt ihren Zugang zu Europas grösstem Flughafen London-Heathrow verbessern. Virgin ist nach British Airways (BA) der zweitgrösste Carrier in Heathrow, wo die Skyteam-Fluggesellschaften deutlich weniger Anteil haben als etwa jene von Oneworld.
Für einen potenziellen Erfolg des Deals spricht einiges: Virgin Atlantic sucht als Standalone-Carrier seit längerem Anschluss in eine globale Allianz, wobei Oneworld ausgeschlossen ist, da Virgin Atlantic ein grosser Konkurrent von BA ist. Mit der Übernahme von BMI durch BA – Virgin hatte mitgeboten – hat sich die Situation in London für die Airline von Virgin-Gründer Richard Branson zudem nicht verbessert, obwohl ihr von den Wettbewerbsbehörden 14 BMI-Slots zugesprochen wurden. Diese werden nun bekanntlich für den Aufbau eines Zubringernetzes verwendet.
Delta ihrerseits muss sich überlegen, wie sie gegen das Gespann American Airlines/BA vorgehen kann und ihre schwache Position im wichtigen Wirtschaftshub Heathrow verbessern kann.
Nicht zuletzt würde der Deal wahrscheinlich abgesegnet, da eine europäische Airline keinen Mehrheitseigentümer von ausserhalb Europa haben darf. Als natürlicher Übernahmepartner kommt Air France-KLM ins Spiel, derweil Richard Branson (der zurzeit 51% hält) wohl einen Teil seiner Aktien behalten würde.
