Schweiz Tourismus: «Wir sind teuer und gut»

Bei den Logiernächten in der Schweiz zeichnet sich nach dem Frankenschock langsam eine Erholung aus den europäischen Quellmärkten ab. Und: Aus der Schweiz gab es 2016 so viele Ankünfte wie noch nie zuvor.

Unter dem Hashtag #VERLIEBTindieSCHWEIZ wirbt das Reiseland Schweiz derzeit für sich. Und tatsächlich scheint das Herz der internationalen Reisenden wieder mehr für die Destination zu schlagen als nach dem Frankenschock. Die Auswirkungen des starken Frankens seien zwar nach wie vor heftig, wie Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid an der Jahres-Medienkonferenz von Schweiz Tourismus (ST) und Hotelleriesuisse betonte. Die Branche habe die Herausforderungen jedoch angepackt und es sei eine Erholung aus Europa in Sichtweite. Nach massiven Rückgängen seit 2009 habe 2016 auch in den preissensiblen Märkten Europas wieder eine Stabilisierung und teilweise auch ein sanftes Wachstum der Hotelübernachtungen beobachtet werden können.

Leichter Rückgang der Logiernächte, historisches Ergebnis der Schweizer Gäste
Die Hotellerie in der Schweiz registrierte im Jahr 2016 insgesamt 35,5 Millionen Logiernächte, gegenüber dem Jahr 2015 ein leichter Rückgang um 0,3% (-96’000 Logiernächte). Die ausländischen Gäste verbrachten 19,3 Millionen Nächte in der Schweiz (-1,5%). Die einheimischen Gäste seien dabei das eigentliche Rückgrat des Schweizer Tourismus, hiess es an der Medienkonferenz. Im 2016 gab es 16,24 Millionen Hotellogiernächte von Einheimischen in der Schweiz, 1,2 % mehr als im Vorjahr und soviel wie seit 25 Jahren nicht mehr. Bei den Ankünften sei es mit 3,8 Millionen das beste Ergebnis überhaupt in der Geschichte.

Der seit 2009 zu beobachtende Abwärtstrend der Logiernächte bei den Gästen aus dem europäischen Kontinent (ohne Schweiz) setzte sich im Jahr 2016 fort (-172’000 / -1,5%), war jedoch weniger markant als in den Vorjahren. Unter diesen Ländern generierte Deutschland mit -149’000 Logiernächten den stärksten absoluten Rückgang (-3,9%), womit die Zahl zum achten Jahr in Folge stetig sank. Ein Zuwachs von 7.6 % bei den Hotelnächten aus den Niederlanden im Sommer 2016 sowie die Stabilisierung bei den deutschen Gästen im Herbst letzten Jahres (+0.3 %) seien jedoch klare Indikatoren: «Das Reiseland Schweiz vermag auch bei den affinen Zielgruppen in preissensiblen Märkten wieder zu punkten.»

Logiernaechte

Vor allem die Berge haben verloren
Innerhalb der vierzehn Schweizer Tourismusregionen zeigen sich erhebliche Unterschiede in der Entwicklung. So mussten v.a. die Bergregionen gegenüber 2015 eine Logiernächteabnahme verkraften: Berner Oberland (-91,000 / -2,4%); Graubünden (-90’000 / -1,9%) und das Wallis (-70’000 / -1,9%). Die Region Luzern/Vierwaldstättersee verbuchte mit -85’000 Logiernächten (-2,4%) ebenfalls eine der stärksten Abnahmen. Demgegenüber registrierte die Genferseeregion (Waadtland) mit einem Plus von 121’000 Einheiten (+4,5%) das deutlichste absolute Wachstum. Es folgen das Tessin (+100’000 / +4,6%) und die Region Bern (+22’000/+2,1%).

Logiernächte Regionen

«Wir sind teuer und gut»
In den Nahmärkten setzt ST v.a. auf weniger preissensitive Gästesegmente und -märkte (z.B. Skandinavien) und auf eine klare Fokussierung der touristischen Erlebnisse (Bahnfahrten, Natur und Pärke, Outdoor-Aktivitäten). «Wir sind teuer und gut», müsse man selbstbewusst kommunizieren, sagte ST-Direktor Schmid. Durch den Preis habe sich die Schweiz in den vergangenen 100 Jahren noch niemals differenzieren können, wohl aber durch die Leistung. Zudem wolle man den Herbst noch mehr als attraktive Saison für Schweiz-Reisen in den Fokus rücken.

USA im Hoch und Sicherheit als Argument für den Meeting-Markt
Aus Nordamerika freut sich ST über ein langanhaltendes und stabiles Wachstum. Seit 2011 nahmen die Hotellogiernächte aus den USA um 23% zu. 2016 konnten darüber hinaus für die Märkte Golfstaaten (959’467, +3.2 %), Indien (599’062, +1.2 %) und Korea (339’473, +7.1 %), aber auch Thailand (181’000, +13.3 %) Logiernächte-Rekorde verbucht werden. Das Wachstum aus China bestehe als Trend weiterhin, wenn auch auf etwas tieferem Niveau als in den Vorjahren. Dies ist vor allem auf Befürchtungen der Gäste wegen der Terrorsituation in Europa und die abgeschwächte Konsumstimmung in China selbst zurückzuführen. Im Bereich des Geschäftstourismus fokussiert ST in Asien unter anderem die immer beliebteren Belohnungsreisen (Incentives) ins Traumland Schweiz. Im Meeting-Bereich sei das Argument Sicherheit ein starker Trumpf für die Schweiz.

Währung, Fachkräftemangel und Buchungsplattformen
Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse betonte die drei grossen Herausforderungen für die Schweizer Hotellerie: Währung & Preise, Fachkräftemangel und die Konkurrenz der Buchungsplattformen. Das Thema Preissenkungen sei dabei sehr heikel, nur 24% der Hotels hätten ihr Preisniveau 2016 nach unten angepasst. Der Verband setze sich darum auch für die Volksinitiative «Für faire Preise» ein. Grosse Hoffnung setzt Züllig, wie auch seine Kollegen von Zürich Tourismus, in den neuen Beruf der Hotelkommunikationsfachfrau/-mann EFZ, der 2017 startet. Dies wirke dem Fachkräftemangel entgegen.

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