«Auf dem Fluss kann ich mich erholen»

Christa Rigozzi, Gesicht der Excellence-Flotte des Reisebüros Mittelthurgau, verrät, was sie an Flussreisen liebt und räumt mit Vorurteilen auf.
Christa

Frau Rigozzi, Sie fahren Motorrad, klettern, tauchen und stürzen sich auch gerne mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug – was hat Sie dazu bewegt, Botschafterin von einem Flussschiff zu werden?

Im Mai 2014 durfte ich die Excellence Princess taufen. Die Veranstalter waren begeistert von mir und fragten mich, ob ich die offizielle Botschafterin werden möchte. Auf einem Kreuzfahrtschiff war ich zwar schon einmal, Flussreisen hingegen kannte ich damals noch nicht – ich dachte, sie seien langsam und nur für alte Leute. Nach meiner ersten Flussreise war ich so begeistert, dass ich das Angebot annahm. Wer Werbung macht, sollte hinter der Marke stehen können.

Und das tun Sie, trotz der Langsamkeit?

Ja, es ist gerade diese Langsamkeit, die ich liebe – sie ist das Gegenteil von der Hektik meines Berufsalltags. Wenn ich arbeite, bin ich umgeben von vielen Leuten, gebe Interviews, besuche Events und habe zig Termine, deshalb schätze ich die Langsamkeit an Bord eines Flussschiffes so sehr. Hier kann ich richtig abschalten. Überzeugt haben mich auch die edlen Schiffe, das exzellente Essen, die gelassene Stimmung an Bord und die schönen Orte, die man besuchen kann.

Sie dachten doch erst, Flussreisen seien nur auf ältere Semester zugeschnitten?

Dieses Vorurteil musste ich schnell über Bord werfen. Das Publikum ist gemischt. Es kann sein, dass der Altersdurchschnitt auf langen Reisen höher ist als auf kürzeren. Die Gourmet- und die Adventsreisen ziehen sehr viele junge Paare an.

Sind Sie auf den Letzteren zu finden?

Ich werde zwei Events am Gourmet-Festival moderieren. Mitte Dezember mache ich eine Adventsreise mit meinem Mann. Ihm gefallen diese Reisen auch sehr gut. Im Frühling fahren wir nach Amsterdam oder nach Paris. Mir wäre vorher niemals in den Sinn gekommen, mit dem Schiff nach Paris zu fahren – völlig ohne Verkehr oder Menschenmengen am Flughafen oder beim Bahnhof!

Gibt es eine Route, die Sie bevorzugen?

Ich sehe überall, wo ich hingehe, schöne Dinge. Auf dem Fluss war ich schon vier Mal, meine ersten Erfahrungen habe ich auf dem Rhein und auf der Donau gemacht. Eine bleibende Erinnerung ist meine Sommer-Fahrt auf der Donaunach Budapest. Wir kamen in der Nacht an, die Stadt war beleuchtet, der Hafen liegt direkt bei der Kathedrale. Die Stadt vom Schiff aus zu sehen, war hinreissend.

Sie erleben bestimmt auch lustige Dinge.

Auf dem Schiff treffe ich immer viele Leute. Sie sehen mich ungeschminkt beim Frühstück, trauen sich aber erst, mich anzusprechen, wenn ich ihnen ein Zeichen gebe. Als die Sendung «Bauer, ledig, sucht» letzten Sommer los ging, wollten einige wissen, ob sich das Paar verliebt und wie es weiter geht (lacht). Sehr lustig war der Dreh eines TV-Spots. Die Szene spielte sich in der Küche ab. Meine Aufgabe war es, Delikatessen aus der Küche zu stehlen. Weil wir die Szene immer wieder drehen mussten, konnte ich viele Delikatessen stehlen.

Wie wichtig ist Ihnen die Kulinarik auf dem Schiff?

Sehr wichtig, ich bin Tessinerin und ein Genussmensch. Ich koche selber sehr gerne – für meine Gäste bereite ich vom Apero bis hin zum Dessert alles selber zu. Auf dem Flussschiff zu dinieren, ist sehr schön, wie in einem Grand-Hotel. Bleibt man tagsüber auf dem Schiff, gibt es ein edles Buffet. Die Princess, die ich in Basel getauft habe, hat ein Steakhouse.

War diese Taufe ein schönes Erlebnis?

(Lacht) Es war ein ganz besonderes Erlebnis. Als ich in Basel ankam, war ich sehr gelassen. Sofia Loren hat das auch getan, dachte ich mir, und freute mich darauf. Am Hafen waren alle so nervös, dass ich auch ganz kribbelig wurde und anfing, an mir zu zweifeln. Was, wenn die Flasche nicht zerbricht, sorgte ich mich. Ich überlegte mir sogar, die High-Heels auszuziehen. Doch dann zog ich mit so viel Kraft an dem Seil, dass die Flasche in Tausend Stücke brach. Ich war so erleichtert!

Sind Sie als Taufpatin verewigt?

Ja, am Eingang der Princess bei der Rezeption steht ein schönes Bild von mir bei der Taufe, der Kopf der Taufflasche ist in einer Vitrine.

Zurück zum Leben an Bord. Was machen Sie am Abend auf dem Flussschiff?

Ich gehe Essen und danach an die Bar, in der Regel spielt ein Pianist gemütliche Musik. Dann trinke ich einen Drink und unterhalte mich mit meinem Mann oder mit meiner Freundin – ich gehe nie alleine an Bord. Bei gutem Wetter kann man draussen sein. Meistens gehe ich um Mitternacht ins Bett – ich gehe nicht auf eine Flussfahrt, um mich zu strapazieren.

Als Botschafterin haben Sie einen persönlichen Bezug – was würden Sie besser machen und sprechen Sie darüber?

Als ich angefragt wurde, wollte ich wissen, was von mir erwartet wird. Ich bin eine engagierte Person, verfolge die Entwicklung meiner Marken und bringe gerne Tipps und Vorschläge. Ich wurde als Botschafterin engagiert, um zu zeigen, dass Flussfahrten nicht nur für ältere Menschen geeignet sind. Wir wollen Stammkunden pflegen und neue, jüngere
Kundschaft generieren. Das ist uns gelungen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht auf einem Flussschiff sind?

Ich fahre Ski in den Schweizer Bergen oder mache Städtereisen. Zudem unternehme ich jedes Jahr eine vierwöchige Entdeckungsreise, am liebsten in den USA. Mein Ziel ist es, alle 55 Staatenzu besuchen. Bis jetzt habe ich 19 geschafft, aber ich bin erst 32 Jahre alt und habe noch etwas Zeit.

Ruhen Sie sich in den Ferien aus?

Zwischendurch (lacht). Meine Sommerferien müssen abenteuerlich sein, ich kann nicht zwei Wochen am Strand liegen. Ich tauche, surfe und klettere sehr gerne. Manchmal stürze ich mich auch mit einem Fallschirm aus dem Flieger oder setze mich in einen Helikopter. Nächsten Sommer möchte ich nach Kanada und dann runter nach New York.

Ein totaler Gegensatz zu Flussfahrten.

Ich brauche Gegensätze, denn ich hasse die Routine. Zum Glück habe ich das Privileg, einen so abwechslungsreichen Job zu haben.

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Die Excellence-Schiffe und ihre Routen

Die Flotte umfasst sechs Schiffe: 1. Die Princess aus dem Jahr 2014 ist der neueste Luxusliner der Excellence-Flotte. Sie verkehrt auf dem Rhein, der Main, der Mosel und der Donau. 2. Die vierjährige Queen verkehrt auf denselben Flüssen. 3. Die Heimat der Royal aus dem Jahr 2010 ist die Seine. 4. Ebenso in Frankreich anzutreffen, auf der Rhône und Saône, ist die Rhône. 5. Die älteste Dame heisst Coral, Baujahr 1998. Sie verkehrt auf kleinen Wasserstrassen der Flüsse Elbe, Havel, Oder, Peene, Ostsee und Nord-Ostsee-Kanal. 6. Ab Frühjahr 2016 verkehrt die Kathrina auf den Wasserwegen Russlands.

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