Wir bitten zum Kaffee – Neues Zeitalter der Wiener Kaffeekultur

Seit 2011 zählt die Kaffeehauskultur in Wien zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Ein zeitgenössischeres Bild geben jedoch die unzähligen Kaffeebars der Stadt ab. Mitkommen, ansehen, eintauchen.
© WienTourismus / Peter Rigaud

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Menschen mit Kaffee im Blut erkennen sofort, ob eine Kaffeebar zu Höherem bestimmt ist, als einfach nur ein durchschnittliches Aufgussgetränk zu servieren. Raunt da zum Beispiel eine Siebträgermaschine von Victoria Arduino (Black Eagle) oder eine (Leva) von La Marzocco oder eine Dalla Corte (EVO2), dann stehen die Chancen auf ein differenziertes Kaffeeerlebnis nicht so schlecht. Aber klar fällt der erste Blick auch auf Kaffeemühlen, Zubehör, Kaffeeauswahl und selbstredend auf die Gesamt-Stimmung und die Menschen hinter der Bar, also auf die Baristi. Wird ruhig und konzentriert geschäumt und nicht geträumt, befindet man sich zweifelsohne an einem guten Ort.  

Zum Beispiel im kaffemik an der Zollergasse 5, wo Simon Huber wechselnde Kaffees von verschiedensten Röstereien anbietet und zwar mit grossem Hang zur Filterkaffeezubereitung. Ins kaffemik geht, wer offen für neue Spezialitätenkaffees ist und experimentelle Zubereitungsarten mag. Die hohe Kunst der Überraschung braucht man auch einem wie Georg Branny nicht zu erklären. Vielfach wird er als Show-Man beschrieben, ein Coffee-Entertainer ist er und ein veritabler Spezialist für Espresso-Cocktails noch dazu. Sein Caffè Couture an der Garnisongasse 18, das er mit Veronika Markeová immer weiter treibt, vereint Showroom, Shop und Kaffeebar. Mit einem Kaffeebar-Catering und als mehrfacher Champion bietet er Firmen auch professionelle Beratung im Kaffeesektor an. Wer seinen Gaumen kalibrieren möchte – hier wäre der passende Ort dazu.

Nachhaltig, cool und freundlich geht es im Balthasar an der Praterstrasse 38 zu und her. Berliner Design, Holz aus Tirol, Lampen aus London, skandinavisch anmutend das Feeling, umwerfend die Kaffees, die unter anderem mit einer dreigruppigen Slayer, einer Siebträgermaschine aus Seattle, die einzige dieser Bauart in Österreich, zubereitet werden. Wer auf Geishas steht, ist hier goldrichtig und ja; gemeint ist logischerweise die heiss begehrte Arabica-Varietät, die ursprünglich aus Äthiopien stammt und heute vor allem in Panama für Furore sorgt.

Um die Transparenz vom Ursprung der Spezialitätenkaffee-Bohne bis zum fertig zubereiteten Getränk in der Tasse kümmern sich alle ernst zu nehmenden Third-Wave-Coffeeshops. Transparenz ist ein wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Qualitäts- und Preisphilosophie und man erkennt sie auch bei Jonas Reindl, sei es im Café an der Währingerstrasse 2-4 wie in der eigenen Café-/Rösterei an der Westbahnstrasse 13. Wenn sogar das Holz für die Tischplatten, recyceltes Teak aus Indonesien, durchdacht und begründet ist, bleiben auch beim Kaffee keine Fragen unbeantwortet. Fragen lohnen sich übrigens immer, denn (hurra!) so bekommt man, mitten in Wien, einen umfassenden Einblick in die komplexe Welt der Spezialitätenkaffees.

Noch mehr Koffein?

Klar deckt unsere subjektive Auswahl nur einen kleinen Teil der lebendigen Kaffee-Szene Wiens ab. Viele weitere Tipps, gibt’s hier.

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