Swiss: Ein Drittel weniger betriebsbedingte Kündigungen als befürchtet

Aktualisiert am 16.06.2021
Nach einem Konsultationsverfahren fällt der Abbau mit 550 betriebsbedingten- und Änderungskündigungen geringer aus als noch im Mai erwartet.
Swiss CEO Dieter Vranckx bedauert die Kündigungen. © Swiss

Swiss will doch weniger Leute entlassen als zuletzt angekündigt. Statt 780 Angestellte sollen jetzt noch 550 Personen die Kündigung erhalten. 58 von ihnen erhalten laut der Mitteilung eine Änderungskündigung mit einer Pensumsreduktion oder einer Funktionsänderung.

Der Stellenabbau falle dank einem konstruktiven Konsultationsverfahren geringer aus als befürchtet, heisst es einer Mitteilung von Swiss. Die Airline wird damit 492 Mitarbeitenden im In- und Ausland die ordentliche Kündigung aussprechen. Davon sind 334 Mitarbeitende in der Kabine, 101 Mitarbeitende am Boden sowie 57 Mitarbeitende in der Technik betroffen.

Swiss CEO Dieter Vranckx: «Es tut mir für alle Mitarbeitenden sehr leid, die von einer Kündigung betroffen sind und ich bedauere es ausserordentlich, diese einschneidenden Massnahmen aufgrund der strukturellen Veränderungen in der Luftfahrt ergreifen zu müssen. Wir sind aber überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, um den Bankenkredit zurückzahlen zu können und Swiss wieder investitions- und wettbewerbsfähig aufzustellen.»

Keine Kündigungen bei den Piloten

Beim Cockpitpersonal werden keine Mitarbeitenden abgebaut, dafür wird in Absprache mit dem Berufsverband Aeropers die Bewirtschaftung des Überbestands insbesondere durch eine verordnete Reduktion des Arbeitspensums aller Piloten erfolgen – vorbehältlich einer Annahme durch diejenigen Pilotinnen, die Aeropers angehören. Die Entlassungen werden unter Einhaltung sämtlicher Auflagen des Bundes im Zusammenhang mit dem verbürgten Bankenkredit sowie der jeweiligen Sozialpläne erfolgen und so sozialverträglich wie möglich gestaltet.

Die Massnahmen seien nötig, um die vom Staat verbürgten Corona-Kredite zurückzahlen zu können, sagte CEO Dieter Vranckx. Rund die Hälfte von den rund CHF 1,5 Mia. seien inzwischen bezogen worden. Der Cashdrain liege mittlerweilen deutlich tiefer als die CHF 1,5 Mio. pro Tag von Anfang Jahr. Das Geld reiche «über die schwierige Winterperiode von November bis Februar» ohne weitere Kredite.

Es bleibt bei 4 Helvetic-Jets

Swiss rechnet mit einem nachhaltigen Nachfragerückgang von 20%. Insgesamt wird sie bis Ende 2021 rund 1700 Vollzeitstellen (FTE) abbauen, zwei Drittel davon über freiwillige Massnahmen und durch natürliche Fluktuation. Die Flotte wird wie prognostiziert um 15% verkleinert. Dies betrifft fünf Langstreckenmaschinen (A330 und A340) sowie zehn Kurzstreckenjets. Durch diese Redimensionierung und Transformation sollen im Rahmen des strategischen Programms «reach» rund CHF 500 Mio. eingespart werden.

Trotz Flottenverkleinerung und dem damit einhergehenden Personalabbau bleiben Helvetic-Jets für Swiss im Wetlease-Einsatz. «Es stimmt, wir werden vier Flugzeuge in Anspruch nehmen», sagt Vrancks. Vertraglich abgemacht ist allerdings, dass Swiss acht Helvetic-Embraer nutzt – und auf der Erfüllung des Vertrags besteht Helvetic. Ob die Swiss aus dem Vertrag herauskommt und nicht für vier nicht benutzte Jets die Miete bezahlen muss, liess Vranckx offen: «Wir sind daran, eine neue Ausgangslage zu erarbeiten.»

Das Gesamtangebot von Swiss liegt noch immer deutlich unter dem von vor der Pandemie und wird im Hochsommer voraussichtlich 50 bis 55 Prozent der Kapazität von 2019 erreichen. Für das Gesamtjahr 2021 rechnet Swiss mit einem Angebot von rund 40 Prozent gegenüber 2019. Ziel sei freilich nicht, Destinationen abzubauen, sondern mit weniger Frequenzen auszukommen. Vranckx rechnet mit einer Rückkehr von bis zu 97% der Destinationen. (CF/CM)