Der Südsudan will auf die Tourismus-Landkarte

Die Welttourismusorganisation betont das grosse Potenzial.
©Thoma Kimmel Diamir

Der erst 2011 gegründete Staat Südsudan in Ostafrika will eine Tourismus-Destination werden. Erste Expeditionsreisen werden bereits von Deutschland aus angeboten. Südsudan ist ein Schwerpunkt der deutschen humanitären Hilfe.

Der Binnenstaat im Norden von Ostafrika grenzt im Norden an den Sudan, im Osten an Äthiopien, im Südosten an Kenia, im Süden an Uganda, im Südwesten an die Demokratische Republik Kongo und im Westen an die Zentralafrikanische Republik.

Das Land verfügt über eine grosse Artenvielfalt in seinen weiten Savannen, üppigen Regenwäldern und malerischen Berglandschaften. Die ursprüngliche Naturschönheit gepaart mit einem reichen kulturellen Erbe bergen grosses Potenzial für nachhaltigen Ökotourismus. Kann der aufkeimende Tourismus zum stabilen Staatsbildungsprozess im Südsudan beitragen und nachhaltige Entwicklung in dem jungen Land vorantreiben?

Der Südsudan ist noch jung und ein weisser Fleck auf der touristischen Landkarte. Seit der Unabhängigkeit wird das Land von den Vereinten Nationen in seinem Nationalstaatsbildungsprozess unterstützt. UNO ist mit der UNMISS-Mission vor Ort. Die Welttourismusorganisation (UNWTO) betont das grosse Potenzial des Tourismus, nachhaltige Entwicklung gerade in LDCs (Least Developed Countries) voranzubringen. Hierfür wurde jüngst ein eigener Tourism for Development Fund eingerichtet.

Die vielfältigen Naturlandschaften des Südsudans, wie der Boma Nationalpark, der Bandingilo Nationalpark und das Imatong Gebirge sind weitgehend unberührt. Hier gibt es noch keine etablierte touristische Infrastruktur, dennoch wagen sich einzelne Spezialveranstalter mit Expeditionsreisen in diese vielversprechenden Regionen vor.

Natur- und Kulturexpeditionen in touristisches Neuland

Der Dresdner Afrika-Spezialist Diamir organisiert in den stabilen Regionen des Südsudans Begegnungen mit den Mundari-Hirten am Weißen Nil sowie den Volksgruppen der Toposa und Larim in den Savannen Ostäquatorias und den Boya-Bergen. «Die kulturelle Vielfalt des Südsudans ist ein wertvoller Schatz und bietet erfahrenen Afrika-Reisenden ein authentisches Reiseerlebnis», erklärt Jörg Ehrlich von Diamir. «Vor allem für die Menschen in den ländlichen Regionen stellt der Ökotourismus eine weitere Möglichkeit der Einkommensgenerierung dar.»

Auch in Kombination mit Reisezielen angrenzender ostafrikanischer Staaten liegt touristisches Potenzial. So etwa auf einer Reise entlang des Weißen Nil in die Wildnis und Tierwelt des Kidepo-Valley-Nationalparks im Dreiländereck Uganda, Südsudan und Kenia. Baum- und Buschsavanne sowie Borassus-Palmen an den Flussufern prägen das Landschaftsbild dieses Parks. Das Schutzgebiet wird nur von wenigen Touristen angesteuert, sodass sich hier einzigartige Safari-Erlebnisse in aller Abgeschiedenheit bieten.

Humanitäres Engagement im Südsudan

So gross das Potenzial des Südsudans ist, so gross sind auch die Herausforderungen, die das Land auf dem Weg zu Stabilität bewältigen muss. Durch die Auswirkungen der jahrelangen Konflikte im Unabhängigkeitskampf sowie Überschwemmungen sind die Nahrungsmittel- und Wasserversorgung der lokalen Bevölkerung prekär.

Zwei Drittel der Südsudanesen hat keinen Zugang zu sauberem Wasser mit weitreichenden Folgen für die Gesundheit, aber auch die Wirtschaft. Die Hälfte der Bevölkerung des Südsudans lebt unter der Armutsgrenze. «Langfristig kann auch nachhaltiger Tourismus dazu beitragen, die lokale Infrastruktur zu entwickeln und die Lebenssituation der Menschen im Südsudan zu verbessern,» erklärt Hanna Kleber von der deutschen Afrika-Tourismus-Initiative Voice4Africa. (TI)