Feedback: «STAR bietet SRV Hand für gemeinsame Lösung»

Aktualisiert am 29.04.2020
TRAVEL INSIDE-Leser Luc Vuilleumier antwortet Konrad Kölbl auf sein Feedback und lädt SRV zur Kooperation ein.
Feedback

Luc Vuilleumier, STAR-President:

Antwort auf das Feedback von Koni Kölbl

«Ich stimme mit Koni Kölbl in vielen Punkten überein, meiner Meinung nach besteht aber ein grundsätzlicher Überlegungsfehler, wenn man meint, dass ein einziger Verband die Interessen von Tour Operators und von Retailern unter einen Hut bringen kann. Genau so gut wie es einen Arbeitgeber- und ein Arbeitnehmerverband gibt, braucht es auch zwei Verbände im Outgoing Tourismus.

Das war am 9. April 2020 bei der Telco mit dem Seco wieder einmal gut sichtbar. Nur zwei Tage vorher wurde STAR vom Seco (nicht etwa vom SRV) zu dem Gespräch eingeladen. Ein Tag vorher präsentierte der SRV ein Papier, auf welchem zwar der TO in der Wertschöpfungskette zweimal abgebildet wurde, aber der Retailer komplett vergessen worden war. Dieses Papier wollte der SRV „vorbesprechen“, obwohl es bereits beim Seco eingereicht war.

Das der SRV bei dieser Telco mit 5 Personen (2 SRV, 2 Globetrotter und 1 Anwalt) auftrat, sollte wohl die Bedeutung des Verbandes herausstreichen, der Qualität der Telco hat es aber nicht wirklich gedient. Ebenso erstaunlich war die Tatsache, dass von den „Big Three“ Veranstaltern keiner anwesend und offenbar auch keiner vorgängig informiert war. Seit diesem 9. April herrscht wieder Funkstille. Die einzigen Informationen, welche wir erhalten, sind vom Seco.

Lieber SRV, so kommen wir nicht weiter. STAR bietet Hand für ein wirklich gemeinsames Arbeiten an dieser Lösung. Dazu braucht es aber einen SRV, welcher STAR als Vertreter der Retailer nach 25 Jahren endlich akzeptiert. Die Lage ist zu ernst, um interne Grabenkämpfe auszufechten. Gehen wir die Sache gemeinsam an und bringen wir diese zum Erfolg. Im Interesse unserer Branche!»

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Koni Kölbl, Travel-Solutions GmbH, Bern:

Der SRV verkörpert zwar faktisch die Reisebranche, er wird seitens der Politik und des Seco nicht als Ganzes wahrgenommen. Die Interessen in Incoming- und Outgoing-Tourismus sind zwar dieselben, bei deren Vertretung hingegen, klaffen zwei Welten auseinander. Auf der einen Seite geht es um 180’000 Arbeitsplätze, auf der anderen «nur» um 10’000. Umsatzmässig sind die Unterschiede relativ minim. Aus finanzieller Hinsicht hingegen fliessen logischerweise durch den Incoming-Tourismus konsequentere Geldsummen in die Bundeskasse – sei es nur durch die MwSt.

Wir sehen immer wieder, dass der SRV mit falschen Zahlen an «runden Tischen» mit Bundesrat und Seco auftritt. Auch im offenen Brief an den Bundesrat vom 23.04.2020 «im Namen unserer Branchenmitglieder» stehen die Zahlen zu tief. Es ist die Rede von 650 Reisebüros und deren 8’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die gesamte Reisebranche umfasst effektiv (noch) 1’300 Büros (davon 1’000 an einem Fonds für Kundengeldabsicherung angeschlossen) und sie beschäftigt wie gesagt rund 10’000 Menschen.

Ein Reisebüro welches als nicht Mitglied des SRV tätig ist, gehört genau gleich zur Reisebranche.

In der Tat ist es so, dass die Reisebranche an keiner bedeutenden Dachorganisation angebunden ist, dass keine Lobbyisten sie im Parlament vertreten, dass sie an keine politischen Parteien zugehört oder dass keine Gewerkschaft oder dergleichen ihre Interessen vertritt.

Dem SRV erteilte das Bundesamt für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) am 05.03.20 einen «Korb». Wo stand an diesem Tag und wo steht noch heute die Solidarität eines «Schweiz Tourismus» als Passivmitglied des SRV bei Verhandlungen? Die Outgoing-Branche ist effektiv zu klein, zu unorganisiert und zu unsolidarisch. Zudem ist sie in dieser schwachen Position vulnerabel, unscheinbar unwichtig und unbedeutend. Ohnmacht – und wenn von Macht gesprochen wird, dann muss an Macht durch Solidarität gewonnen werden. Ja, gemeinsam sind wir stärker und es kann Mut zu Wut auslösen. Mit diesen Zeilen möchte ich in einem konstruktiven Sinne provozieren. Infolge des Scheiterns vs. Bundesrat Parmelin der vorletzten Woche, erlaube ich mir als aussenstehender Brancheninsider Fragen an den SRV zu stellen.

Dem «TRAVEL INSIDE» vom 17.04. konnte entnommen werden: «Als Vertreter eines Reiseunternehmens wurde André Lüthi von Globetrotter vom Seco als Berater angefragt, um das Verständnis für die spezifischen Themen der Reisebranche zu vertiefen. Er wird unterstützt von CEO Dany Gehrig und Rechtsanwältin Sophie Winkler.»

Diesbezüglich stehen Fragen offen: Warum in dieser Konstellation? Warum nicht mit Mit-Akteuren anderer Gruppierungen von unabhängigen Retailer? Wurde die Absage von Bundesrat Parmelin effektiv begründet? Und wenn nicht, warum wurde nicht nachgefragt? Hat der SRV Interesse an den restlichen 350 «nicht-Mitglieder-Reisebüros» und wenn «ja», inwiefern?

Unser Reisebüro hat sich vor 3 Jahren vom SRV aus politischen Gründen und noch zu «besseren Zeiten» verabschiedet. Im Nachhinein war dies ein Fehler, denn Mitsprache ist vielleicht besser als «Einsprache als Nicht-Mitglied». Glücklicherweise wurde 2020 durch Natalie Dové eine Vertreterin der Retailer vs. der «Grossen» in den Vorstand miteinbezogen.

Es stimmt, dass viele unabhängige Reisebüros aus verschiedensten Gründen entweder nicht, noch nicht oder nicht mehr Mitglied des SRV sind. Um deren Meinungen, Forderungen und Sorgen anzuhören und darauf einzugehen, muss mit allen Betroffenen eine Kommunikation oder ein Austausch stattfinden. Denn aus einer Krise entstehen immer Chancen. Vielleicht würde in einer neuen, vielfältigeren Lage auch Anderes herauswachsen können. Der SRV hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er sich verändert hat. Dies bestimmt auch, weil er Abgänge zu verzeichnen hatte.

Dass Airlines als Passivmitglieder aufgenommen werden ist vielen ein Dorn im Auge. Gerade viele von ihnen zeigen in der Corona-Krise ihr wahres Gesicht. Hand aufs Herz: So «systemrelevant im jetzigen System» ist keine einzige Airline – jede ist ersetzbar! Zwar fliesst durch sie Geld in die Kasse des SRV, sie stossen aber branchenweit auf Unverständnis und sogar auf Empörung. Grund genug für viele Reisebüros, sich von einer SRV-Mitgliedschaft zu distanzieren.

Es ist unbestritten möglich, dass der SRV jedes Reisebüro mit Kundengeldabsicherung automatisch als Mitglied aufnehmen könnte. Eventuell könnten demzufolge die Mitgliederbeiträge tiefer angesetzt und Passivmitgliedschaften sistiert werden.

Packen wir die Chance zur Veränderung, zum Wachstum, zur Restrukturierung des SRV, sodass er zu einem Dachverband hinwachsen kann. Suchen wir als «nicht-Mitglieder-Reisebüros» den Kontakt mit ihm, vernetzen wir uns, nutzen wir bestehende wichtige Kontakte zur Politwelt aus und stehen wir in einer Zeit des «social distancing» enger zusammen. Das Scheitern an den bisherigen Verhandlungen muss zu einer Solidarisierung führen – und Solidarisierung bildet eine Chance zur Politisierung unserer Branche.

Vielleicht bieten provokative Anregungen in einer Krise Hand zu einer Veränderung.

 

 

 

 

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