Feedback: «Rückkehr aus Hurghada…»

Aktualisiert am 08.06.2020
TRAVEL INSIDE Leser reagieren verärgert auf von Orsina Isler Niederberger aus Hurghada. Jetzt erklärt ein ehemaliger Branchen Fachmann, wie er von Marsa Alam problemlos zurückkehren konnte.
Leser-Zuschrift als Feedback.

Peter Glaser, pensionierter Reise Fachmann, Meggen:

«Meine Gattin und ich sind am 16.03.2020 mit Edelweiss nach Marsa Alam für einen vierwöchigen Aufenthalt, geflogen. Die Maschine war mit 40 Pax belegt. Alles schien bei Ankunft normal zu laufen, bis am nächsten Morgen ein Zettel unter die Tür geschoben wurde: QUARANTÄNE! Wir sind in einem Top Hotel abgestiegen und von der Leitung wurden wir informiert, dass das Hotel geschlossen würde und die Gäste nach und nach evakuiert werden.

Da wir als Individualgäste gereist sind, haben wir die Zeichen der Zeit erkannt und haben uns um eine rasche Rückreise bemüht. Mit Direktkontakt bei Edelweiss und gleichzeitiger Interventionen unserer Tochter, konnten wir auf den nächstmöglichen Rückflug am 19.03.2020 kostenlos umbuchen. 

Ebenfalls haben wir uns sofort bei der Botschaft/Konsulat in Kairo gemeldet, um bei der zur Zeit noch ungewissen Lage ein Backup zu haben. Uns wurde von dieser Stelle aus ebenfalls geraten, Rückflüge von Kairo nach Wien oder Frankfurt zu benützen. Es war für uns verständlich, dass die Konsularmitarbeiter in Kairo keine Reisespezialisten sind und sich trotzdem alle erdenkliche Mühe gegeben haben. Angesichts der etwas unsicheren Lage, wonach uns mitgeteilt wurde, dass die Gegend am Roten Meer unter Landesquarantäne stünde, und es schwierig werde, auf dem Landwege nach Kairo zu gelangen, haben wir auf Edelweiss vertraut und wurden nicht enttäuscht. Wir sind am Donnerstag, 19.03.2020 problemlos zurückgeflogen. Auf diesem Flug waren noch einige wenige Plätze frei geblieben.

In der Folge sind an den darauffolgenden Tagen noch einige Rückflüge  von Marsa Alam und Hurghada aus durchgeführt worden, mit „empty legs“ Zürich – Rotmeerdestinationen . Interessierte Rückkehrer hätten, bei richtiger Einschätzung der Lage, direkt und bequem in die Schweiz zurückreisen können.»

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Stefanie Bertoneri Amrein, Tourismus-Fachfrau in Ruhestand:

«Sehr geehrte Frau Isler Niederberger, Sie haben sich entschieden, in Hurghada den Winter verbringen. Ihre ganz persönliche Entscheidung. Niemand hat Sie gezwungen dort zu überwintern. Genau so wie niemand, keine Regierung oder keine Privatperson, ahnen konnte, wie das Virus den Alltag der ganzen Welt ändern würde! Von einem Tag zum anderen!

Millionen von Personen sind gestrandet! Ob geschäftlich, persönlich oder aus irgendeinem anderen Grund, viele wollten oder mussten nach Hause. Unsere Regierung, wie auch andere Regierungen, haben sich sehr bemüht Schweizerbürger wie auch andere Nationalitäten, möglichst rasch und unbürokratisch zurück in die Heimat zu bringen.

Sie hätten in Hurghada bleiben können. Sie haben sich jedoch entschieden vom Repatriierungsflug des Bundes Gebrauch zu machen. Dass unsere Regierung nicht jede Destination anfliegen konnte und demzufolge die, die zurückfliegen wollten oder mussten, gebeten hat z.B. nach Kairo zu reisen, finde ich mehr als kulant. Im Nachhinein, sich in so negativer Weise über eine beispiellose Repatriierungs-Aktion zu äussern, befremdet mich. Dankbar sollte man sein, dass Mann/Frau nach Hause konnte –  auch wenn es etwas gekostet hat.

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Orsina Isler Niederberger, Hurghada:

«Besten Dank für die Feedbacks. Nun, es ist immer ein leichtes von Aussen zu urteilen. Ich erzähle Ihnen gerne weiter.

Ich wandte mich erneut an die Botschaft, die mich dann angerufen hat und mir erklärte, dass es keine Liste gibt um sich einzutragen und ich direkt bei der Lufthansa buchen muss. Die Website war überlastet und ich kam nicht rein, meine Kollegin in der Schweiz versuchte es auch und sie kam rein fiel aber immer wieder raus. Dann half mir eine Kollegin aus Deutschland und wir buchten den Flug direkt. Leider war nur noch der 19. Juni frei und so buchten wir dieses Datum und unserer Rückreise stand nun nichts mehr im Wege: Flug Hurghada-Kairo (Preis 3700 Le), Übernachtung in Kairo, Abflug von Kairo nach Frankfurt (Preis 21000 Le), Weiterflug nach Zürich 15.35 h (Preis EUR 349). Wir erhielten die Bestätigungen unserer Flüge und alles ist gut.

Leider erhielten wir eine Mail, unser Flug Kairo-Frankfurt sei annulliert. Wir wurden gebeten uns mit dem Buchungscenter in Deutschland in Verbindung zu setzen. Die Botschaft erkundigte sich nach dem Stand der Dinge, wobei ich zu dieser Zeit noch nicht wusste, dass der Flug wieder storniert würde. Die Botschaft hat mir erklärt, dass sich auf den Aufruf hin gerade 50 Personen gemeldet hätten und das EDA sich zur Zusammenarbeit mit Deutschland entschlossen hätte.

Erwähnen möchte ich noch, dass zu normalen Zeiten ein Flug mit Edelweiss von Zürich nach Hurghada bei Frühbuchung ab zirka CHF 300 pro Person gebucht werden konnte. Hin und zurück. Die Flugpreise machen nicht die Passagiere, sondern die Airlines. Soviel zur Aussage des Herrn, dass ich die 790 Euro als zu hoch taxiert hatte. Was ich damit gemeint habe ist, dass aus jeder Not Geld gemacht wird. Jedenfalls kann uns die Botschaft nicht weiterhelfen. Wir werden nun sehen wie es weiter geht. Jedenfalls finde ich es nicht gut, dass bereits Angebote für Ägypten wieder angeboten werden. Denn wie es aussieht erwägt die Regierung die Öffnung auf anfangs August. Es bestehen zur Zeit sehr viele Grippe-Fälle in El Gouna. Ich wünsche uns allen weiterhin gute Gesundheit und ein erfolgreiches Geschäftsjahr.»

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René Baldinger, Baldinger Reisen, Wädenswil:

«Sehr geehrte Frau Isler Niederberger, Ihre Zeilen sind für mich als Reisebüro-Inhaber völlig unverständlich. Wir haben – im Kontakt mit dem EDA, den jeweiligen Botschaften und verschiedenen Airlines – einige Schweizer Bürger aus Kolumbien, Thailand, Südafrika, Namibia, Hurghada (zwei deutsche Bürger) zurückgebracht. Die Zusammenarbeit mit den offiziellen Stellen war mal effizienter und mal weniger. Aber es klappte immer. 

Wenn Ihnen nun EUR 790 plus allfällige Zusatzkosten – in einer so aussergewöhnlichen Lage – zu teuer sind, dann ist meine Meinung: Bleiben Sie zu Hause! Schnäppchenjäger sind da momentan am besten aufgehoben. So nebenbei – auch wenn Sie es nicht gerne hören, aber die Flugpreise sind in jedem Fall zu tief. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden diese steigen, was ich auch sehr hoffe. Für Gäste mit Ihrem Anliegen muss sich die Reisebranche nicht krumm machen. Wir haben genügend wichtigere Themen, als das Ihrige. Geniessen Sie Hurghada noch ein wenig.»

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Hansjörg Meyer, Oberglatt:

«Ich schätze Ihre Kurz-Informationen als pensionierter Airliner sehr. Den Leserbrief von Frau Isler Niederberger finde ich total daneben und es zeugt von wenig Verständnis für die Situation, aber viel Egoismus unserer Schweizer.

Ich wurde in meinem 2-Wohnsitz Spanien ebenfalls von den Regierungsbeschlüssen überrascht (hatte mich auch frühzeitig und gehörig informiert) und am 13.3.(nachmittags) wurde bekanntgegeben, dass am Montag, 16.3. um 0800 Uhr der Lockdown in Kraft trete – dies mit strengeren Konsequenzen als bei uns in der Schweiz.

Da der Zürich Flug LX 2143 am 16.3. annulliert wurde, liess ich mich für CHF 400 (2 Personen) über Genf umbuchen. Abflug 0900 und in Genf startete der 1. Anschlussflug nach Zürich um 15.10 Uhr, also rund 4 Stunden Wartezeit, da der frühere ZRH-Flug annulliert war.

Die Antwort der Botschaft war sicher korrekt. Hätten sich mehrere Dutzend Schweizer zu einen Repatriierungsflug beim EDA angemeldet, wären sie nicht vergessen gegangen. 35 Flüge wurden organisiert und Paxe aus Peru mussten tagelang zum Airport anreisen. Diese Frau findet 790 EUR nach Frankfurt einen Wucherpreis, aber das EDA verlangte nur 600 CHF für diese Distanz. Und dann noch nach Basel mit dem Zug reisen – eine Zumutung für diese Frau.

Bitte schreiben sie dieser Frau, dass Sie sich in Zukunft über ein Schweizer Reisebüro ihre Reise organisieren lassen soll und, dass Ägypten kein EU-Land mit entsprechenden Standards sei (siehe Marokko). Mit freundlichem Gruss eines vernünftigen Schweizers.

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Orsina Isler Niederberger:

«Ich bin eine Leserin Ihrer News, welche immer sehr interessant sind. Nun möchte ich Ihnen vielleicht einmal etwas näher bringen aus der anderen Sicht von Aussen.

Wir besitzen eine Wohnung, wo wir als Pensionisten den Winter verbringen. Also unser Rückflug war auf den 6. April bereits gebucht als die Corona Meldung mitgeteilt wurde. Somit wurden in Ägypten am 19. März 2020 alle Flughafen geschlossen für die nächsten Wochen. Kein Mensch sprach von Monaten, dies nur so nebenbei. Die Krise kam in Schwung und die Regierung kam zum Schluss hier muss ein Lockdown her, denn mit soviel Toten muss die gesamte Wirtschaft stillgelegt werden.

In Ägypten wussten die Menschen zu dieser Zeit noch gar nicht, und teilweise heute noch nicht, was Corona ist. Wir Ausländer nahmen die Situation hin und warten seither auf die Wiederaufnahme des Flugverkehrs. Es gibt sehr viele Menschen, die aus irgendwelchen Gründen nach Europa müssen. Ich habe dann mit der Schweizer Botschaft Kontakt aufgenommen, ob es eine Möglichkeit gäbe für uns Schweizer auch nach Hause zu kommen, da für die Deutschen fast jede Woche ein Flug ab Kairo organisiert wurde. Zu einem Wucherpreis von 790 Euro.

Die Antwort von der Botschaft war: Ich könne mich auf die Liste setzen lassen für den Flug nach Frankfurt. In Frankfurt müsse ich dann selber zusehen wie ich weiter komme! Die Fahrt von Hurghada nach Kairo dauert 6 bis 7 Stunden. Es bedingt also, dass wir die Reise mit einem Taxi morgens um 02.00 Uhr antreten damit wir um 10.00 Uhr in Kairo ankommen und einchecken. Flug um 12.30 Uhr mit Ankunft um 17.00 Uhr in Frankfurt. Hotels sind geschlossen und Zugverbindung nur bis Basel mit Ankunft um 22.40 Uhr. In Basel sitzt man dann, wenn nicht jemand sich bereit erklärt und uns abholt. Die Heimreise dauert auch nochmals gute 1,5 Stunden.

Was ich sagen möchte ist, dass es der Schweizer Botschaft nicht in den Sinn kommt auch einen Flug zu organisieren direkt von Hurghada nach Zürich. Für was haben wir Botschaften und bezahlen diese mit unseren Steuern? In Hurghada Leben inzwischen rund 8’000 Europäer, was also keine kleine Gemeinde ist. Inzwischen wurde Corona so hoch stilisiert, dass NACH dem Fastenbrechen wohlverstanden, eine Quarantäne von einer Woche angesagt wurde. Nun ist diese Morgen vorbei und nun kommt die Masken-Pflicht, sogar im eigenen Auto, zur Anwendung.

Wir hoffen nun inständig, dass die Reisebranche auf die Öffnung des Flugverkehrs weltweit drängt. Denn wir sind überzeugt, dass es überall auf der Welt Schweizer hat die nach nach Hause müssen. Ich danke Ihnen im Namen aller für Ihr Nachfassen diesbezüglich.»