Geschäftsreisen nicht nur als Kostenpunkt, sondern als Investition sehen

Neue Location, neue Themen und neue Programmpunkte: Das 13. Swiss Travel Management Forum vom vergangenen Donnerstag im Marriott Hotel Zürich zog 170 Geschäftsreisen-Profis an.

Wie sieht die künftige Rollenverteilung der TMC aus? Steht der Geschäftsreisende wirklich im Mittelpunkt? Wird das B2B- zum B2C-Geschäft? Das waren die drei Kernthemen der 13. Austragung des vom «Business Traveltip» organisierten Swiss Travel Management Forum. 170 Teilnehmende, davon rund ein Viertel Travel Manager, fanden den Weg in die Eventlocation, das Marriott Hotel Zürich. Als Moderatoren agierten Beat Eichenberger, Adrian Matt und Kurt Schaad. Und das sind die wichtigsten Aussagen des Tages:

Keynote-Referat von Matthias Hanke

«‹Wird Business Travel zum B2C-Geschäft – und was heisst das für die Branche?› Ich weiss, es ist ein böser Titel. Aber mittelgrosse und kleine TMCs haben limitierte Investitionsmittel. Deren grosse Herausforderung ist die Technik. Denn die Technologie ist der Schlüssel für Profite. Die heutigen Tech-Provider wiederum sind bestrebt, dem Kunden komfortable User-Interfaces mit umfangreichen Online-Buchungsmöglichkeiten zu geben. Die TMCs müssen entweder mitrüsten oder sie werden zum Abwickler. Business Travel wird zwar nicht zum reinen B2C-Geschäft, jedoch unterliegen die Eco-Systeme starken Veränderungen.»

Traveller Centricity

• Andrea Zimmermann, Unternehmensberaterin bei BTM4U: «Beim Thema Traveller Centricity geht es um Kommunikation mit den Reisenden und einen besseren Service. Man sollte den Reisenden Vertrauen entgegenbringen und einen Spielraum geben. Um den Stressfaktor zu senken, ist es etwa wichtig, dass keine (Frei-)Zeit vergeudet wird – z.B. wegen langer Umsteigezeiten. »

• Thomas Spillmann, Managing Director bei ABB Intra: «Vor rund einem Jahr haben wir uns entschieden, nicht nur die Kostenreduzierung in den Mittelpunkt zu stellen, sondern auch den Mitarbeiter. Dazu gehört z.B., dass nur dann gereist wird, wenn es sein muss. Wir haben deshalb viel Geld für Videokonferenzen investiert. So werden nun auch die zahlreichen internen Meetings oftmals auf diese Weise abgehalten. Zudem testen wir derzeit mit einem Provider, wie wir den Hotel-Check-in für die Mitarbeitenden vereinfachen können.»

• Sandro Montebove, ex EMEA Travel Manager bei Credit Suisse: «Die Bankenbranche lässt von Natur aus viele Privilegien zu. Traveller Centricity wurde und wird immer sehr hoch geschrieben. Trotzdem waren Ersparnisse im Einkauf wichtig. Das Angebot hat sich in den vergangenen Jahren aber stark verändert. Für Gratis-WLAN braucht es heute z.B. kein 5-Sterne-Hotel mehr, man bekommt es auch in einem 4-Sterne-Haus. Das sehen auch die Mitarbeitenden so und werden auch daran gemessen, wie viel sie selber einsparen.»

• Peter Ashworth, Senior Vice President Central & Eastern Europe, Carlson Wagonlit Travel: «Wir müssen davon wegkommen, die Geschäftsreisen immer als Kostenpunkt anzuschauen. Denn es ist eine Investition. Ich selber bin 2 Meter gross, in der Economy-Klasse kann ich meinen Laptop nicht benutzen. Aber damit der Geschäftsreisende funktionieren kann, müssen die Rahmenbedingungen gegeben sein.»

Die Rolle der TMC

• Ludger Bals, Associate Partner bei The Travel Consulting Group: «B2C und B2B können nicht mehr voneinander getrennt werden. Die Vermischung von geschäftlich und privat ist eine Realität. Die Chance für die TMC ist, dass die Unternehmen sich mehr und mehr bewusst werden, dass ihre Mitarbeitenden sich um ihren Job kümmern sollen und nicht um die Organisation von Geschäftsreisen und damit wertvolle Arbeitszeit verschwenden. Die Unternehmen sollen die Zusammenarbeit mit einer TMC als Investition in die Reisekosten begreifen. Alles, was ablenkt, sollte man den Mitarbeitenden wegnehmen.»

• Adrian Witschi, Global Lead Travel und Meetings bei Mondelez: «Die Abläufe müssen schlanker und die Reisenden entlastet werden. Wir holen uns deshalb vermehrt Feedbacks bei ihnen. Bei uns gibt es drei Stellschrauben: User Experience, Operation & Leadership, Value for Money.»

• Michel Jegerlehner, Director Switzerland bei BCD Travel: «Die grösste Herausforderung ist es, mit den Kunden Schritt zu halten. Wir müssen schneller sein und ihnen die beste Lösung anbieten, bevor sie selbst eine finden. Der Erfolg liegt darin, zu entscheiden, bei welchen Lösungen man aufspringt.»

• Fabian Bucher, Head of Business Travel bei City Reisen: «Bei uns ist das Internet eine grosse Herausforderung. Die Kunden kommen bereits mit konkreten Preisvorstellungen. Software- Investitionen sind bei uns wegen unserer Grösse schwierig.»

Datenschutz & Co.

Ebenfalls auf dem Programm standen zwei Breakout-Sessions. Jean Paul Kölb, Chief Information Security Officer Swisscard, zeigte, wie man seine Daten unterwegs schützt. Stefan Haas, Leiter Geschäftskunden und Partnervertrieb SBB Personenverkehr, präsentierte die neuen Vertriebslösungen. Erstmals gab es auch drei Elevator Pitches für Startups. Dabei stellten Viselio, Netaplanner und Voya ihre Ideen vor.

Markus Fässler / Nathalie de Regt

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