Kempinski vs. Wittwer: Einigung erzielt, Ruf beschädigt

Der Rechtsstreit ist beigelegt. Die Affäre könnte CEO Alejandro Bernabé jedoch den Job kosten.
Reto Wittwer

Ebenso kurz wie reuevoll ist die Mitteilung der Luxushotelgruppe Kempinski, man habe sich mit dem früheren CEO und Präsidenten der Gruppe, Reto Wittwer, aussergerichtlich geeinigt und alle Rechtsstreitigkeiten beigelegt. Die in der Pressemitteilung vom 2. November 2015 gemachten Vorwürfe seien unglücklich gewesen und hätten nicht veröffentlicht werden dürfen. Da nun alle Fakten geklärt seien, würden beide Parteien den bedauerlichen gegenseitigen Anschuldigungen ein Ende setzen und von jeglichen weiteren Schritten gegeneinander absehen, so das Statement.

Untreue oder Verleumdung?
Zur Erinnerung: Reto Wittwer verliess das Unternehmen im Oktober 2014 von einem Tag auf den anderen. Offiziell hiess es, er gehe in den Ruhestand. Am 2. November 2015 reichten sein Nachfolger als CEO, Alejandro Bernabé, sowie Präsident Michael David Selby Strafanzeige wegen Betrugs ein. Der Vorwurf: Wittwer solle sich an Provisionen in Höhe von mindestens CHF 6 Mio. bereichert haben. Kurz darauf reichte Wittwer eine Gegenklage wegen Verleumdung und übler Nachrede gegen das Führungsduo ein.

Nun also die Kehrtwende, die wie meistens in solchen Fällen einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Der Ruf von Reto Wittwer als einem der Top-Hoteliers der letzten Jahrzehnte ist trotz der nun erzielten Vereinbarung bereits beschädigt, auch wenn Kempinski mitteilt, der Ex-CEO sei «rehabilitiert».

Bernabé: Abgang oder Ferien?
Die mehr als unglückliche Vorgehensweise der Hotelgruppe wird wie ein Makel auch an der Hotelgruppe haften bleiben. Die Frage, ob CEO Alejandro Bernabé diese Affäre schadlos überstehen wird, ist legitim. Seit rund rund zwei Wochen wird in Medien spekuliert, dass seine Tage bei Kempinski gezählt seien. Ein offizielles Dementi gab es nicht, es hiess nur, er sei in den Ferien.

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