Sorge am IPW: Die USA verlieren globale Marktanteile

Die Tourismus-Ankünfte in den USA stiegen 2018 zurückhaltender als die weltweite Entwicklung.
Roger Dow, Präsident und CEO der U.S. Travel Association. ©BE/TI

Am IPW in Anaheim kommentierte Roger J. Dow, President & CEO der U.S. Travel Association, die Zahl von knapp 80 Millionen internationalen Besuchern in den USA im Jahr 2018 kritisch. Dies entspreche nach einem Minus um 1,8% im Jahr 2016 und einer Erholung mit einem Plus von 0,7% im Jahr 2017 zwar einer deutlichen Zunahme um Plus 3,5%. Doch Dow gab zugleich zu bedenken: «Im vergangenen Jahr stiegen die grenzüberschreitenden Besucherankünfte weltweit um 7%. Wir haben somit Marktanteile verloren.» Der Anteil der USA am internationalen Langstrecken-Tourismus entwickle sich seit 2016 rückläufig und betrage heute noch 11,7%.

Grösste internationale Quellmärkte für die USA sind die beiden Nachbarländer Kanada und Mexiko, an dritter Stelle liegt Grossbritannien, gefolgt von Japan und dem aufstrebenden China. Detaillierte Zahlen für die Schweiz liegen noch nicht vor, Insider gehen aber von einer leichten Zunahme auf voraussichtlich 460’000 Ankünfte aus. Das Reiseziel USA zeichnet sich in der Schweiz seit Jahren (und trotz gewissem Auf und Ab) durch eine äusserst hohe Marktdurchdringung aus und ist klar die Longhaul-Destination Nr.1. Die Wertschöpfung aus dem internationalen Tourismus betrug übrigens 2018 in den USA rund USD 256 Mia.

Für Roger Dow ist klar: Die Marktanteil-Verluste gilt es abzudämpfen. Darin wird der Travel-Industrie-Kapitän von Präsident Donald Trump bestätigt, wie ein Video-Einspieler an der Pressekonferenz augenzwinkernd belegte: «Wir wollen so viele Besucher wie möglich – aber nur auf legalem Wege», so Trumps launiges Statement. Das Thema Immigration beschäftigt aber auch Dow: «Die langen Einreiseschlangen in den Airports sind ein echtes Problem und nicht akzeptabel, da müssen neue Lösungen her».

Biometrisches Einreiseverfahren soll Schlangen verkürzen

Ansätze dazu sind etwa ein biometrisches Einreiseverfahren, das derzeit in Orlando getestet wird, die Ausweitung des Visa-Waver-Programms auf weitere Länder oder mehr Immigrationsbüros in ausländischen Airports. Als problematisch bezeichnete Dow zudem die angekündigten Budgetkürzungen der Trump-Administration für die Nationalparks: «Von den 318 Millionen Parkbesuchern jährlich sind rund ein Drittel ausländische Besucher – die Nationalparks sind für den US-Tourismus ein äusserst wichtiges Produkt, das gepflegt werden muss».

Orange County hofft auf IPW-Werbeeffekt

Und dann sind es natürlich all die Destinationen selbst, die mit ihrer Produktevielfalt, ihren neuen Angeboten und ihren Marketingbemühungen den internationalen Tourismus weiter ankurbeln wollen. Während der drei IPW-Tage in Anaheim kam es zu über 110’000 Appointments zwischen Anbietern und Einkäufern, und Dow korrigierte die daraus resultierende Wertschöpfung auf geschätzte USD 5,5 Mia. Sehr zufrieden zeigte sich vor allem die Gastgeberin Anaheim: Der Mega-Event IPW, an dem rund 6000 Tourismusprofis teilnahmen, werde über die nächsten drei Jahren mehrere Hundertausend zusätzliche Besucher ins Orange County spülen, ist man überzeugt.

Der nächste International Pow Wow findet vom 30. Mai bis 3. Juni 2020 in Las Vegas statt. (Beat Eichenberger, Anaheim)

 

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