Tim Bachmann: «Steigendes Interesse an Nordeuropa»

Tim Bachmann über Travelhouse in der Corona-Krise.
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Travelhouse hatte schon vor Corona eine turbulente Zeit hinter sich. Die Spezialisten-Marke von Hotelplan Suisse erlebte Chefwechsel und Umbauten in den Verantwortlichkeiten in Serie. Tim Bachmann trat an, wieder Ruhe und Kontinuität zu bringen. Jetzt ist er zwar CEO von Hotelplan Suisse, bleibt aber vorläufig auch direkt verantwortlich für Travelhouse.

In dieser Funktion als «Director Touroperating Travelhouse» beantwortet er die Fragen von TRAVEL INSIDE, wie die Marke mit der breiten Palette durch die Corona-Krise gekommen ist.

Wie stark hat die Corona-Krise Travelhouse betroffen: Gleich wie Hotelplan Suisse insgesamt, überproportional, weniger stark?

Travelhouse ist ein Teil von Hotelplan Suisse. Als Spezialistenmarke ist Travelhouse viel stärker auf die Langstrecken-Destinationen ausgerichtet als zum Beispiel die Marken Hotelplan und Migros Ferien. Zudem ist bei Travelhouse der Anteil an Rundreisen, vielfach auch mit Länderkombinationen, markant höher.

Bis jetzt waren die Auswirkungen für alle Marken von Hotelplan Suisse gleich, da wir das Reiseprogramm seit Mitte März ausgesetzt haben. Mit der sich abzeichnenden Öffnung in Europa gehen wir davon aus, dass die Marken Hotelplan und Migros Ferien schneller wieder an Fahrt aufnehmen werden.

Wie war der Spezialist Travelhouse bis Mitte März unterwegs, im Vergleich zum Vorjahr, immerhin vier Monate im neuen Geschäftsjahr?

Hotelplan Suisse, so auch die Marke Travelhouse, konnte gut ins neue Geschäftsjahr starten. Das dies nun durch die Corona-Pandemie ausgebremst wurde, das ist ärgerlich.

Wie gross in % ist der Travelhouse-Anteil am ganzen Geschäft von Hotelplan Suisse – TO und Retail?

Namhaft, Travelhouse ist eine der 3 tragenden Säulen von Hotelplan Suisse.

Was hat Vtours für Travelhouse gebracht?

Vtours ist im Volumengeschäft tätig und vertreibt vor allem klassische Badeferien-Pauschalreisen im Mittelmeerraum. Der Langstreckenanteil und Rundreisen sind sehr gering. Daraus könnte man schliessen, dass Synergien zwischen Travelhouse und Vtours kaum vorhanden sind. Es gibt aber Überlegungen, wie das Travelhouse-Know-how auch für Vtours genutzt werden könnte. Details dazu können wir noch keine bekanntgeben.

Travelhouse hat rund zwei Dutzend Kataloge, von Skandinavien bis Südsee, mit hochwertigen Spezialisten-Angeboten. Was, welche Destinationen, wenn überhaupt, wird jetzt gebucht?

Aktuell ist der Eingang von Neubuchungen wie überall gering. In den letzten Tagen sehen wir aber ein steigendes Interesse für Reisen nach Nordeuropa. Für die kommenden Wintermonate sehen wir eine Nachfrage für Destinationen im Indischen Ozean und in Afrika.

Was ist zu erwarten, wird zuerst wieder laufen?

Gemäss der neusten Entwicklungen werden die Grenzen innerhalb Europas wahrscheinlich als erste wieder öffnen. Bei Travelhouse gehen wir deswegen davon aus, dass Reisen nach Nordeuropa am schnellsten wieder zunehmen werden.

Was tut Travelhouse für die Ankurbelung des Markts?

Wir sind bereit, schnell und kurzfristig diverse Aktivitäten zu lancieren, sobald wir ein Interesse für Auslandreisen spüren.

Ist jetzt die grosse Stunde der Selbstfahrer-Touren mit E-Autos in der Mittelmeerregion?

Selbstfahrer-Destinationen sind sicher eher gefragt – unser Schwesterunternehmen Interhome vermeldet sehr erfreuliche Buchungseingänge. Bei den E-Mobil-Touren handelt es sich noch um ein Nischenprodukt – gut möglich, dass Rundreisen mit einem E-Mobil schneller wieder gefragt sein werden.

Wird der 2019 beobachtete Trend zu höherwertigen Reisen weiter anhalten oder ist er nach Corona gebrochen?

Das lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Jedoch ist das Entdecken neuer Länder und Kulturen in unseren Genen verankert. Auch nach der Corona-Krise wird die Reiselust da sein, davon sind wir überzeugt.

Welche Destinationen (Kataloge) werden zunächst nicht mehr im Angebot bleiben?

Die neuen Kataloge werden wie geplant produziert.

Wann wird Travelhouse wieder auf dem Niveau von vor Corona sein?

Das lässt sich noch nicht wirklich abschätzen.

Wie viele Pax hatte Travelhouse vor Corona? Wie viele Angestellte? Und wie viel jeweils nach Corona?

Hotelplan Suisse verzeichnete im letzten Geschäftsjahr 486’000 Passagiere. Wie viele es in diesem Geschäftsjahr insgesamt sein werden, können wir noch nicht sagen. Dies hängt von der Entwicklung der Pandemie ab. Insgesamt arbeiten aktuell rund 870 Mitarbeitende für Hotelplan Suisse.

(Interview: Christian Maurer)