DER-Chef Hartmann kritisiert Kuoni Group scharf

Mit Kuoni Schweiz will er Marktanteile zurückgewinnen ohne auf «billigen Jakob» zu machen.
Sören Hartmann

Rund ein halbes Jahr ist es her, dass DER Touristik, die Reisesparte des Rewe Handelskonzerns, das Reiseveranstaltergeschäft von Kuoni und damit auch Kuoni Schweiz übernommen hat. Bereits in einem grossen Interview im TI Nr. 43/2015 und bei seinem Auftritt am Swiss Travel Summit vom 29. Oktober 2015 zeigte Sören Hartman, Chef von DER Touristik, auf, wohin die Reise von Kuoni Schweiz gehen soll und wo er Synergien sieht. In einem Interview mit der «Sonntagzeitung» von gestern äussert er sich zur aktuellen Entwicklung und hält auch mit Kritik an der Kuoni Group nicht zurück. Seine wichtigsten Aussagen haben wir zusammengefasst:

  • Die lange Diskussion und die Kuoni Group hat uns zweifellos nicht geholfen. Wir hatten deswegen Einbussen, die ich aber nicht beziffern kann, denn 2015 belasteten noch andere Faktoren das Reisegeschäft.
  • Mit dem Verkauf der Kuoni Group gibt es zwischen der ehemaligen Mutter und unserer heutigen Tochter Kuoni Schweiz keine Kollision mehr. Die Kunden werden die Marke wieder allein mit Reisen verbinden.
  • Ich spreche ungern von Integration, lieber von Kooperation zwischen Kuoni Schweiz und DER. Die Kuoni-Sparten sollen ihre Eigenständigkeit nicht verlieren. Ich würde Kuoni nicht in Deutschland etablieren und DER Touristik als Verbrauchermarke nicht in der Schweiz. Anders als bei anderen Grosskonzernen wie Thomas Cook oder TUI wird es bei uns keine einheitliche, internationale Marke geben.
  • DER und Kuoni Schweiz arbeiten dort zusammen, wo es Sinn macht, etwa bei der Produktion der Reisen und der Informatik. Helvetic Tours greift seit Januar auf das gesamte Produktportfolio unserer deutschen Marken ITS und Jahn Reisen zu. Bei Kuoni erfolgt die Umstellung auf unser neues, internationales System im Herbst. Dennoch können beide (Helvetic und Kuoni) beim Angebot eine Vorwahl treffen, es mit eigenen Produkten ergänzen und eigenständige Preise festsetzen.
  • Für die Kunden bedeutet das sinkende Preise. Es sind marktgerechte Preise, die auch denen in Deutschland entsprechen. Die Zeit ist vorbei, in der die Schweiz eine glückselige Insel mit drei, vier nationalen Konkurrenten war. Da müssen alle aufwachen.
  • Wir werden sicher nicht auf billigen Jakob machen und Preisbrecher spielen.
  • Wir arbeiten an der Vernetzung des Onlinevertriebs mit dem stationären Handel. Etwa an einem System, bei dem Experten den Kunden bei Fragen per Videochat helfen können. All diese Anwendungen kann Kuoni Schweiz übernehmen.
  • Wir wollen in der Schweiz wachsen, nicht schrumpfen. Derzeit hat Kuoni Schweiz 82 Filialen, eine gute Grösse im momentanen Markt.
  • Der Markt Schweiz wird eher stagnieren. Die Preise sinken, und die Schweizer werden sich dafür mehr hochwertige Reisen leisten. Damit bleiben die Umsätze etwa gleich. In diesem Markt wollen wir jährlich einstellig beim Umsatz wachsen.
  • Für 2016 hoffen wir auf ein gutes, ausgeglichenes Ergebnis.
  • Die Marke Kuoni wurde von den früheren Eigentümern extrem gut aufgebaut. Aber man hat es versäumt, die internationalen Möglichkeiten innerhalb der Gruppe auszuschöpfen. Zwischen den Ländergesellschaften wurde zu wenig zusammengearbeitet. Es gab nicht einmal ein einheitliches Buchungssystem. Schlimmer ist: Man hat nicht mehr an das Geschäft geglaubt. Ich glaube an das Geschäft, denn in unsicheren Zeiten wird ein Reiseveranstalter an Wert gewinnen. Der Handel verlagert sich im Moment leicht vom Internet zum Reisebüro zurück.