18’000 Flüge gestrichen: Ryanair schlittert in Turbulenzen

Niederlagen vor Gericht, eine drohende Strafverfolgung und Flugausfälle machen CEO Michael O’Leary schwer zu schaffen.
Streik

Dass die Personalpraktiken von Ryanair – zurückhaltend formuliert – eher fragwürdig sind, ist hinlänglich bekannt. Niedriglöhne, Knebelverträge und Scheinselbstständigkeit der Piloten sollen zum Alltag gehören. Deshalb haben mehr als 100 Piloten Ryanair wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in den vergangenen Monaten verlassen und die Airline scheint massive Probleme zu haben, neues Personal zu finden. Auch wenn dies Ryanair-Chef Michael O’Leary kategorisch in Abrede stellt.

So entstanden in den vergangenen Wochen Engpässe, da schlicht zu wenig Cabin-Crews zum Einsatz bereit sind. Daher müssen nun bis März 2018 rund 18’000 Flüge gestrichen und die Flotte verkleinert werden. Ab November werden 25 Flugzeuge weniger eingesetzt – bis zu 400’000 Kunden sollen betroffen sein. Welche Flüge tatsächlich storniert werden, war tagelang nicht bekannt – Millionen von Passagieren waren im Ungewissen. Anschliessend hatte Ryanair die gebuchten Personen nicht korrekt über deren Rechte nach der geltenden EU-Verordnung informiert, wie Andrew Haines, Chef der britischen Zivilluftfahrt-Behörde CAA, in einem BBC-Interview erklärt. Er droht der Airline mit einer Strafverfolgung. Ryanair habe zudem darauf verzichtet, das Recht, auf andere Fluggesellschaften umgebucht zu werden, zu erwähnen.

Hat sich der Billigflieger mit seiner Strategie verkalkuliert? Auf jeden Fall musste die Airline  in den vergangenen Wochen gleich mehrere Schlappen vor Gericht wegstecken: So darf der Billigflieger seinen Kunden nicht mehr die laut landesüblichen Gesetzen zustehenden Rechte verweigern und auf irisches Recht verweisen. Auch die Angestellten der Airline dürfen künftig beispielsweise vor deutschen Gerichten ihre Rechte gegenüber der Fluggesellschaft geltend machen – und unter Umständen kommt dies nun Ryanair teuer zu stehen. (ES)

 

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