Swiss-Experiment: So bleiben Reisen in Erinnerung

Sambaklänge längst vergangener Ferien bleiben besser in Erinnerung als das Abendessen von gestern.

Im August nahmen 30 Probanden aus sechs Ländern im Alter von 18 bis 80 Jahren in Zürich an einem Experiment zum Thema Reiseerinnerungen teil. Mit wissenschaftlicher Begleitung des Neuropsychologen Prof. Dr. Lutz Jäncke wurden die Probanden in Einzelinterviews und in Paarinterviews zu ihren Reiseerinnerungen befragt.

Die Interviews zeigten: An Reiseerlebnisse erinnerten sich die Probanden weitaus besser als an alltägliche Begebenheiten. Schönste Reiseerlebnisse blieben ihnen detailliert in Erinnerung, als seien sie eben erst aus den Ferien zurückgekehrt. Dabei lagen diese teils schon Jahrzehnte zurück. Was es hingegen vor drei Tagen zum Abendessen gab, konnten im Experiment die wenigsten Teilnehmer auf Anhieb sagen. «Reiseerinnerungen nehmen einen herausragenden Platz in unserem Gedächtnis ein», erklärt Jäncke. «Im Alltag blenden wir viele Informationen um uns herum aus. Auf Reisen jedoch ist unser Geist vom Ballast der täglichen Sorgen befreit und wir saugen das Fremde, das Neue, mit all seinen Details förmlich in uns auf.» Positive Emotionen verankern Erinnerungen an den Moment tief im Gedächtnis.

Das Experiment zeigte zudem, dass bestimmte Reize das Erinnerungsvermögen zusätzlich stimulieren können. Wird das Gehirn mit sensorischen Reizen konfrontiert – sei es das Aroma von Curry, Sambaklänge oder landestypische Skulpturen – werden die Erinnerungen besonders tief empfunden. Fast 70 Prozent der Schweizer fühlen sich durch Bilder an ihre Reisen erinnert, 47 Prozent durch Begegnungen mit Menschen und mehr als 40 Prozent aufgrund bestimmter Speisen. (TI)

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