Internationaler Kongress-Hotspot in Oerlikon geplant

Hallenstadion, Messe Zürich und Zürich Tourismus wollen gegen Stuttgart und Berlin als Kongress-Hubs konkurrieren.
Jonas Scharf, Direktor Messe Zürich (l.) und Philipp Musshafen, CEO Hallenstadion. © zVg/Montage: MICE-tip

Diverse Projekte in der Stadt Zürich für ein neues grosses Kongresszentrum sind in jüngster Vergangenheit gescheitert. Zwar bietet Zürich mit dem derzeit in Renovation befindlichen, aber bald wieder eröffneten Kongresshaus am See, sowie dem neuen The Circle am Flughafen bereits explizite Kongresslocations, diese haben jedoch eindeutig zu kleine Kapazitäten für internationale Grosskongresse. Derartige Veranstaltungen wurden deshalb bis anhin stets nach Wien, Berlin oder Stuttgart vergeben.

Messe Zürich, Hallenstadion und Zürich Tourismus lancieren Projekt

Doch nun spannen drei namhafte Anbieter aus diesem Segment, die Messe Zürich, das Hallenstadion sowie Zürich Tourismus zusammen, und schaffen im Osten der Stadt, in Oerlikon, durch die Nutzung gemeinsamer und bereits vorhandener Synergien das Projekt «ACE Zurich», mit dem in Zürich künftig auch internationale Grosskongresse für bis zu 1500 Teilnehmer angeboten werden können. ACE steht dabei für Arena, Convention und Expo und will sich englisch ausgesprochen wissen.

Das Hallenstadion mit seinen 14’000 Quadratmetern steht beispielsweise für Hauptevents oder Podien zur Verfügung, während für Nebenveranstaltungen die Hallen der Messe Zürich sowie das Foyer des Hallenstadions genutzt werden können. Pandemiebedingt herrscht derzeit in der Event- und Messebranche natürlich «Tote Hose», weshalb der Zeitpunkt für die Lancierung eines solchen Projektes sicherlich zumindest «speziell» ist.

Dies ist den Verantwortlichen, wie Jonas Scharf, dem Direktor der Messe Zürich, oder auch Pilipp Musshafen, dem CEO des Hallenstadion, durchaus bewusst. Sie sehen jedoch darin die Chance, sich während der Krise zu positionieren, um danach voll gerüstet zu sein und durchstarten zu können, denn gebucht kann ein ein Kongress bereits jetzt auf der Website von ACE Zurich.

Nicht ganz «freiwillig»

Als Antrieb für solch neue Ideen sehen die Verantwortlichen gewisse Umstände, die sie dazu gezwungen hätten, umzudenken oder nach neuen Lösungen zu suchen. Damit sind zum Beispiel der Auszug der ZSC Lions aus dem Hallenstadion im Mai 2022 gemeint, oder dass es traditionelle Messen wie die Züspa seit 2018 schlicht nicht mehr gibt. Dadurch würden natürlich einige Kapazitäten frei, die es wieder zu besetzen gelte, so der Tenor der Initianten.

Als Angriff auf bestehende Kongresslocations in Zürich sehen diese Ihr Projekt nicht, denn sowohl das städtische Kongresshaus wie auch The Circle würden «ein anderes Segment von Kongressen anpeilen». Auch die «IG Kongress-Stadt Zürich» unterstützt  ACE Zurich in seinem Vorhaben, denn IG-Präsident Jörg Arnold (by the way auch Vize-Präsident von Zürich Tourismus) sieht darin eine sinnvolle Art «Testphase», um zu zeigen, dass man Grosskongresse durchaus nach Zürich holen könne.

Die IG selbst hält nämlich – trotz des Scheiterns ihres geplanten Neubaus am Carparkplatz – durchaus an einem Neubauprojekt eines Kongresszentrums auf Stadtgebiet fest. Arnold glaubt auch, dass sowohl die Messe Zürich wie auch das Hallenstadion sich nach der Pandemie künftig wieder vermehrt auf ihre Kernkompetenzen konzetrieren werden, denn auf Kongresstourismus, und sieht daher keine Konkurrenz zwischen ACE und einem neuen Kongresszentrum, wie er dem «Tages-Anzeiger» mitteilte.

Was sie aber alle – wie auch die komplette MICE-Branche – vereint, ist die Spannung, wie sich der Kongresstourismus nach der Coronazeit verändern wird, und die Hoffnung, Kongresse und Events bald wieder möglich sein werden, wenn auch wohl in veränderter Form mit verstärkter Digitalisierung. (CF)