Qualität statt Masse in Dalmatien

Auf Hvar gibt Donci Anticevic, Besitzer des Hotels Skalinada, Auskunft über die Entwicklung des Tourismus in Dalmatien.
Donci Anticevic, Besitzer Hotel Skalinada, Hvar

«Kommen Sie her und schauen Sie selbst», rät der entspannte Hotelier den Reisebüromitarbeiter*innen in der Schweiz gleich zu Beginn des Gesprächs, welches Hans-Peter Brasser anlässlich eines Besuchs von TRAVEL INSIDE vor Ort im Hotel Skalinada auf Hvar führte.


Donci Anticevic, 2015 präsentierten Sie die Region Mitteldalmatien im Rahmen der FESPO in Zürich. Wie hat sich aus Ihrer Sicht der Tourismus in Dalmatien seit damals entwickelt?

Der Tourismus in Dalmatien ist seit der Unabhängigkeit in Wandlung. Er entwickelte sich bereits in den vergangenen 10 Jahren stark Richtung Qualitätstourismus und seit 2015 entwickelte er sich vor allem in Bezug auf die Gastronomie noch verstärkt in diese Richtung.

Immer schon sehr ausgeprägt war die traditionelle Gastfreundschaft und der persönliche Kontakt zu den Gästen. ‚Wir begrüssen die Menschen als Gäste und verabschieden sie als Freunde‘!

Und wie wirkt sich diese Entwicklung im Unterkunfts-Sektor aus?

Während der besagten Periode entstanden viele Boutique-Hotels und Besitzer von Ferien-Appartements investierten in die Qualität und in den Komfort. Im Luxus-Segment entstehen laufend neue, hochwertige Villen. Insgesamt ist das Unterkunftsangebot höherwertig geworden.

In Kroatien gibt es, im Vergleich zu anderen Mittelmeerländern, wenige Häuser grosser Hotelketten und viel mehr Betten in privaten Händen. Zudem sind die Auflagen der Behörde für die Hotelkategorisierung sehr streng und werden rigide umgesetzt.

Sie erwähnten bereits die Gastronomie und deren Entwicklung. Können Sie diese beschreiben?

Die Gastronomie hat eine neue Dimension angenommen. Sie basiert zwar nach wie vor auf der traditionellen dalmatischen Küche. Innovative Gastronomen und Produzenten tragen aber zu deren Verfeinerung durch viele ökologisch produzierte Produkte bei. Fangfrischer Fisch und Meeresfrüchte aus den eigenen Gewässern spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Stichwort Ökologie! Wie sieht es bezüglich Umwelt- und Klimaschutz aus?

Zu den touristisch wichtigsten Kriterien gehören die wunderschöne Natur Kroatiens und das saubere, kristallklare Meer an den Küsten. Nur schon deshalb kommen viele Gäste immer wieder nach Dalmatien. Mittlerweile engagieren sich Staat und Bevölkerung sehr, damit diese Natur geschützt wird und erhalten bleibt. Beispielsweise darf in touristischen Gebieten nicht mehr näher als 100 m ans Meer gebaut und ein Grundstück darf nur zu maximal 15 Prozent bebaut werden.

Ihr Hotel Skalinada eröffneten Sie 1990. Können Sie etwas zu dessen Geschichte erzählen?

Hotel Skalinada, Hvar

Meine Familie ist schon seit mehr als 50 Jahren in der Hotellerie und als die Unabhängigkeit kam, wollte ich das erste Boutique-Hotel Kroatiens eröffnen. Mein Ziel war es, den Gästen nebst der traumhaften Lage eine komfortable Unterkunft, einen guten und freundlichen Service und eine gute, auf lokalen Produkten basierende, frische Küche anbieten.

Während 30 Jahren sind wir langsam gewachsen, mit der Zeit gegangen und haben uns immer den Bedürfnissen der Gäste angepasst. Es steckt auch sehr viel Eigenleistung in unserer kleinen Anlage mit gut 40 Betten und zwei Villen.
Ausser während dem Unabhängigkeitskrieg Anfang der 90iger-Jahre und in geringerem Ausmass während der Covid-Krise 2020 konnten wir immer mit einer sehr guten Auslastung arbeiten. Dies verdanken wir natürlich der positiven Mund-zu-Mund-Werbung unserer vielen Stammgäste.

Aus der Schweiz kommen trotz der Direktflüge nach Split verhältnismässig wenig Gäste auf die Dalmatischen Inseln. Worauf führen Sie das zurück?

Natürlich hat sich die Covid-Krise negativ ausgewirkt. Kroatien war zwar praktisch immer offen für den Tourismus, jedoch sind viele Gäste mit dem eigenen Auto gefahren und, aufgrund der Distanz, eher im nördlichen Teil und in Istrien geblieben. Ich bin aber überzeugt, dass der Tourismus aus der Schweiz für die Region Mitteldalmatien und die Inseln zunehmen wird.

Wir setzen auf Qualitätstourismus und entsprechend muss auch das Anreiseangebot ausgerichtet werden. Gemäss meinen letzten Informationen soll bereits 2022 ein Linienflugdienst mit Wasserflugzeugen entstehen, welcher Split und andere Festlandziele mit den Inseln verbindet. Bereits 2015 gab es ein solches Angebot, welches aber nach wenigen Monaten scheiterte.

Nun plant jedoch der wirtschaftlich potente Marina-Betreiber ACI Marina rund zwölf Millionen Euro zu investieren um diesen Dienst aufzubauen. Die Anreise der Gäste, welche mit dem Flugzeug in Split landen, würde dadurch natürlich erheblich angenehmer und schneller, fallen doch die Transfers zum Fährhafen und die Überfahrten aus.

Was möchten Sie zum Schluss den Reisebüromitarbeiter*innen in der Schweiz mitteilen?

Kroatien und insbesondere Dalmatien ist ein Ferienparadies, dass eigentlich jede und jeder einmal besucht haben muss. Die Vielfalt, das Flair und die Gastfreundschaft findet man nicht überall und erinnert mich noch an die 80iger Jahre.

Mir ist aber bewusst, dass die Kleinteiligkeit des Tourismus in Kroatien es für die Fachleute schwieriger macht, dem Kunden das richtige Produkt anzubieten. Die kleineren Häuser arbeiten auch nicht mit den grossen Reiseveranstaltern zusammen. Eine gute Übersicht bietet die Webseite des Verbandes der kleinen Hotels Kroatiens OMH, in dessen Vorstand ich bin.

Mein Rat ist: Kommen Sie her und schauen Sie selbst!

(Interview BRA)