«Ganzkörper-Schutzanzüge lösen bei vielen Fluggästen Befremden aus…»

Der Autor und Branchen-Insider Erich Witschi (60) arbeitet für Globetrotter und betreut die Helpline.

Nachdem es resistente ‚FluganwärterInnen‘ geschafft haben, trotz Stornierungen, Flugplanänderungen und anderen Widrigkeiten ein bestätigtes Ticket zu ergattern um sich dann auf den Weg zum Flughafen zu machen, bleibt immer noch die Ungewissheit was dort auf sie wartet.

Wer mit der Bahn anreist, kann sich bereits an die Maske gewöhnen. Im Flughafen werden die Markierungen am Boden (Abstand) und das ‚maskierte‘ Personal (z.T. hinter Plexiglasscheiben) am Schalter auffallen. Das ist aber für die meisten Corona-erprobten Zeitgenossen kein Problem. Viel wichtiger ist der meist stundenlange Aufenthalt an Bord. In dieser Hinsicht herrscht noch Unsicherheit, da alle Airlines die Hygiene-Regeln an Bord anders interpretieren, umsetzen und laufend anpassen.

Sicher ist nur, dass an Bord der meisten Fluggesellschaften Maskenpflicht besteht. Das Schreckgespenst der Airlines, mit freien Mittelplätzen oder gar freien Sitzreihen zu starten (ein von Schreibtischtätern ausgedachtes Konzept, das die Airline-Zunft in helle Aufregung versetzt hat), wird von den meisten Airlines nur bei geringer Auslastung umgesetzt. Bei den Passagieren hat diese Lösung selbstredend Glücksgefühle ausgelöst, aber für die Airlines wäre es der endgültige Ruin gewesen. Bis auf den letzten Platz gefüllte Flugzeuge bleiben uns also auch weiterhin nicht erspart, wenn auch nicht unbedingt in den nächsten Monaten.

Beim fliegenden Personal gehören Maske und Handschuhe zur Grundausrüstung, wobei bei gewissen Airlines (z.B. Qatar, UIA, etc.) sogar Ganzkörper-Schutzanzüge, inkl. Maske, Brillen und Handschuhe getragen werden, was bei vielen Fluggästen Befremden und dystopische Albträume ausgelöst hat und wegen diversen Beschwerden wohl noch überdacht werden muss.

Qatar Airways treibt den Corona Wahnsinn dennoch weiter und verlangt jetzt sogar von den Economy (nicht F/C, macht Sinn oder…) Passagieren das tragen von sogenannten ‚Face Shields‘ aus Plastik. Ob QR mit den fliegenden Operationssälen bei den Passagieren auf Wohlwollen stösst darf bezweifelt werden!

All diese Massnahmen wurden, trotz der unermüdlichen Versicherung der Flugzeughersteller und Fluggesellschaften, dass durch die Verwendung spezieller Filter die Kabinenluft sauberer sei als jene, die der Mensch sonst auf der Erde einatmet, eingeführt. Klar ist, dass die sehr engen Verhältnisse an Bord eines Flugzeugs bei vielen Menschen aus Angst vor einer Ansteckung Unbehagen auslöst.

Gleichzeitig müssen Airlines den Menschen das Fliegen wieder schmackhaft machen und dabei auch diejenigen Passagiere berücksichtigen, die eher wegen den vielen Hygiene-Massnahmen von einer Flugreise zurückschrecken. Keine leichte Aufgabe für die Fluggesellschaften in den nächsten Monaten oder gar Jahren. Man kann es bekanntlich nicht allen recht machen. Es wird eine Gratwanderung mit vielen Anpassungen und einem ständigen Erklärungsbedarf. Zu befürchten ist auch, dass es an Bord von Flugzeugen in nächster Zeit vermehrt Air Rage Zwischenfälle geben wird, weil zum Beispiel der Sitznachbar sich beim Verzehr des Sandwichs lange Zeit lässt, damit er die Maske nicht tragen muss. Die Stimmung an Bord war schon immer etwas angespannt und das wird mit den Corona-Massnahmen nicht besser.

Was können Airlines also tun um möglichst viele Gäste anzulocken? Momentan geschieht eher das Gegenteil. Ich bin aber überzeugt, dass sich zumindest die Flugplansituation zügig verbessern und bald eine gewisse (neue) Normalität einsetzen wird. Um dies zu erreichen braucht es aber weitere Massnahmen. Die wichtigste Frage ist, was passiert mit den Tarifen?

Momentan zeigt die Tendenz eher nach unten. Lange wird das aber nicht dauern, denn die Airlines haben einen riesigen Nachholbedarf und müssen dringend ihre Schatullen wieder füllen – die nächste Krise in der Form einer Rezession lauert bereits am Horizont. Sobald die Plätze wieder einigermassen gefüllt sind, werden die Preise ganz sicher wieder steigen, was ja eigentlich für uns alle wünschenswert ist und bereits seit einiger Zeit gefordert wird. Wann und in welcher Form das geschehen wird ist offen, spätesten jedoch wenn die neue CO2-Abgabe eingeführt wird.

Das ganze System ist momentan sehr volatil und auch kleinste Veränderungen können verheerend sein. Die Hoffnung, dass wir bald wieder in eine Art Vor-Corona Normalzustand zurückkehren werden ist gering. Ich erinnere an die leidige Flüssigkeitsregel, die uns seit nunmehr 14 Jahren nervt. Die Geschichte zeigt, dass im Flugverkehr eingeführte ‚Sicherheitsmassnahmen‘ in der Regel nie mehr ganz verschwinden. Das Geschrei nach absoluter Sicherheit wird nur noch lauter werden. Aber dennoch darf man hoffen, dass in ein paar Monaten gewisse Lockerungen stattfinden werden. Ansonsten bleibt uns und unseren Kunden nichts anderes als uns daran zu gewöhnen!