Nach Kündigung: Sabre will mit Lufthansa verhandeln

Streitpunkt könnten Differenzen beim «full content» sein.
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Nachdem die Lufthansa Gruppe die Kündigung der GDS-Anbindungen von Sabre öffentlich gemacht hat, reagiert der Tech-Anbieter: Sabre verhandle intensiv mit der Lufthansa Group über die Erneuerung der GDS-Vertriebsvereinbarung, heisst es in der Mitteilung von Sabre. «Wir setzen uns dabei für die Interessen aller Beteiligten ein und fühlen uns verpflichtet, eine Vereinbarung zu treffen, die einen Mehrwert für die Fluglinien, die Reisevermittler und die Reisenden schafft. Es ist unser Ziel, die Bedürfnisse der an Sabre angeschlossenen Reisebüros und ihren Kunden zu erfüllen und ihnen, über unser globales Distributionssystem (GDS), Zugriff auf den globalen Content aller Fluglinien der LHG zu bieten», so die Tech-Firma.

«Sabre ist weiterhin bestrebt, die größtmögliche Bandbreite an Content zu erlangen, damit Reisevermittler und Reiseeinkäufer ihren Kunden die besten Angebote unterbreiten können. Gleichzeitig bieten wir der LHG die Vorteile der globaler Reichweite und kontinuierlich verbesserter Retailing-Funktionalitäten. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, mit der LHG eine Lösung zu finden, die den Anforderungen der Reisenden, der Reisebüros, der LHG und von Sabre gleichermassen gerecht wird», so der Originaltext der Mitteilung.

Hinter dem Bruch zwischen Sabre und der Airline-Gruppe stehen offenbar grössere Differenzen. Dabei gehe es wohl nicht allein um Gebühren und Kommissionen, also um Geld, glauben Branchen-Kenner. Im Vordergrund dürften Fragen des Contents stehen, bzw. der Anspruch des GDS-Anbieters, über seinen Anbindung den so genannten «full content» anbieten zu können. Also genau das Gleiche wie die Airlines auf ihren Websites mit eigenen Buchungstools.

Sabre, das als weltgrösster Anbieter von Vertriebssystemen für Flugbuchungen in Nordamerika gilt, könnte sich daran stören, dass die Lufthansa und ihre Töchter Swiss, Austrian Airlines und Brussels Airlines sowohl treibende Kraft bei der Einführung von NDC ist und den eigenen Direktvertrieb über die Airline-Websites stärkt – was natürlich nicht nur zu Lasten der Reisebüros geht, sondern auch der GDS-Anbieter mit denen die Reisebüros buchen.

Im Moment diskutieren Sabre und LHG über die Möglichkeiten der Einbindung der Airline-Gruppe in das Sabre-GDS über die aktuelle Vereinbarung hinaus. Diese endet nach der Kündigung durch Sabre am 30. Juni 2020. (TI)