Air-France-Tochter Joon nach nur einem Jahr am Ende

Das Konzept einer «innovativen und coolen» Airline für Millenials hat Bruchlandung erlitten.

Der Air-France-Tochter Joon wird nach gerade mal einem Jahr der Stecker gezogen. Die im Dezember 2017 gegründete Mittel- und Langstreckenairline wird im kommenden April mit der Muttergesellschaft fusioniert. Das Aus wird damit begründet, dass Joon die Marke Air France verwässert habe. «Die Vielzahl der Marken hat Komplexität geschaffen und leider die Macht der Marke Air France geschwächt», bedauerte das Management.

Bruchlandung des «Lifestyle-Konzepts» für Millenials

In seiner Gestaltung war Joon hauptsächlich auf Millenials, also Personen mit Jahrgängen von 1980 bis Ende der 90er-Jahre, ausgerichtet. Im offiziellen Internetauftritt von Joon heisst es etwa bis heute: «Bei Joon präsentieren sich die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter gestylt-lässig im Casual Chic.» Air France betonte stets, dass es sich bei Joon nicht um eine Low-Cost- oder Budget-Airline handle, sondern um eine «innovative Airline für eine junge, arbeitende Kundengruppe», deren Leben sich um digitale Technologien drehe. Deren «Bedürfnissen und Sehnsüchten» wolle die Airline mit ihrem Lifestyle-Konzept gerecht werden. Von Werten wie «genussfreudig», «vernetzt» und «hochwertige Erlebnisse» war ebenfalls die Rede. Ganz offensichtlich hat dieses Konzept nun Bruchlandung erlitten. Wie das Management nämlich selbst eingestehen muss, wurde aus dem Konzept offenbar niemand schlau: «Die Marke war von Beginn an für Kunden, Mitarbeiter, den Markt und die Investoren nur schwer zu verstehen.»

Knatsch mit der Gewerkschaft des Kabinen-Personals

Obwohl offiziell in Abrede gestellt, wurde stets von Aviatik-Experten gemutmasst, dass Air France mit der Gründung von Joon eine Antwort auf die Billig-Langstrecken-Konkurrenz wie Norwegian Air oder Level finden wollte – aber eben auf ein junges Publikum zugeschnitten. Die Airline war primär auf europäische Destinationen wie Berlin oder Barcelona ausgerichtet. Dazu kamen ab Sommerflugplan 2018 auch interkontinentale Strecken. Doch all des «coolen» Scheins zum Trotz rumorte es hinter den Kulissen: Weil die Flugbegleiter deutlich weniger Lohn als bei Air France erhielten, konnte die Fluggesellschaft die Betriebskosten tief halten, was im vergangenen Sommer etwa zu Protesten der Kabinenpersonal-Gewerkschaft führte.

Am Donnerstag, 10. Januar, einigten sich schliesslich Ben Smith, CEO von Air France-KLM, und die drei Gewerkschaften, die das Kabinenpersonal von Air France vertreten – SNPNC, UNAC und UNSA-PNC – auf die «Integration der Mitarbeiter und Flugzeuge von Joon in Air France» – und zwar auf dem Lohnniveau von Air France. (ES/FB)

Drucken