Israels Norden entdecken

Die Leuchtkraft von Tel Aviv und Jerusalem ist derart stark, dass weniger bekannte Ecken in Galiläa oft vergessen gehen. Wer gerne in der Natur und auf biblischen Spuren wandert, kommt hier auf seine Rechnung.

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Galiläa: Israels Norden entdecken

Es gilt als eines der bekanntesten israelischen Bonmots: Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel Aviv lebt. Mit diesem Satz tut man Haifa – mit gegen 300000 Einwohnern drittgrösste Stadt Israels und seit November 2018 die erste mit einer Frau als Bürgermeisterin – unrecht. Denn die europäisch geprägte Stadt im Norden, Sitz zahlreicher internationaler Hightech-Firmen, hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Entlang des Ben-Gurion-Boulevards, der von den Bahai-Gärten zum Mittelmeer führt, sind neue und trendige Restaurants entstanden. Und mit dem Bay Club der israelischen Atlas-Hotelgruppe eröffnete vor fünf Jahren in der Nähe dieses Viertels das Boutique-Hotel mit dem stadtweit besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Hier erhält man ein Doppelzimmer inklusive Frühstück ab 140 Schweizer Franken.

Oft wird vergessen, dass man auch in der Hafenstadt baden kann. Die Szenerie ist traumhaft: Entlang der Strandpromenade von Bat Galim breiten sich blühende Gärten aus. Felsformationen begrenzen die Bucht, und im Hintergrund ragen die Karmel-Berge in den Himmel. Südlich stehen weitere Strandabschnitte zur Auswahl.

Wichtigste Attraktion in der Technologiemetropole sind jedoch die Gärten der Bahai, die von der Louis- Promenade aus für einen besonders schönen Blick auf Haifa sorgen. Die Gärten gelten als Friedenssymbol und wurden von der UNESCO im Juli 2008 als Weltkulturerbe ernannt. Hier befindet sich das administrative und geistige Weltzentrum der Bahai. Die Religion hat rund acht Millionen Anhänger in aller Welt und den Kerngedanken, dass alle Religionen vom gleichen Gott kommen.

Zu Uri Buri nach Akko

Nur 25 Kilometer nördlich von Haifa liegt Akko, das 1104 von den Kreuzrittern erobert wurde und dank seines Hafens am Mittelmeer damals wichtiger als Jerusalem war. Im 12. Jahrhundert wurden mehrstöckige Gebäude, ein aufwendiges Abwassersystem, die heute noch zu bestaunende Hospitaliter-Festung und die Stadtmauer errichtet. 1291 fiel die Stadt an die Mameluken. Über dem Palast der Kreuzfahrer wurde im 18. Jahrhundert eine Zitadelle gebaut. Diese war ursprünglich durch einen Tunnel mit der Stadtmauer im Norden und dem Hafen im Südosten verbunden. Die Begehung dieses unterirdischen Wegs gehört zu den Touristenattraktionen in der UNESCO-geschützten Altstadt von Akko.

Hier befindet sich mit Uri Buri eines der besten Fischrestaurants im Land. Uri Buri gibt es tatsächlich: Der Mann heisst Uri Jeremias (73), spricht sehr gut Deutsch und erinnert mit seinem langen weissen Bart ein wenig an Moses. «Unser Restaurant führen wir seit bald 31 Jahren. Damals gab es in Akko abgesehen von ein paar Fischbeizli kaum Restaurants und schon gar keine Hotels», erzählt Jeremias. Sein Imperium besteht inzwischen aus dem stadtbesten Efendi-Boutiquehotel (mit einem Weinkeller aus der Kreuzritterzeit und einem türkischen Bad), das Gäste hinter historischen Mauern verwöhnt, sowie dem Glaceladen Endomela ganz in der Nähe von Uri Buri. «Im Hotel, im Restaurant und im Endomela haben wir über 100 Angestellte. Bei uns arbeiten je 50 Prozent Juden und Araber. Wir befinden uns im arabischen Viertel, ich bin Jude. Und es funktioniert bestens.»

Immer wieder lässt Uri seinen Humor aufblitzen und kommentiert lachend ein Gericht mit Fisch an einer buttrigen Sauce. «Wissen Sie, in diesem Gericht gibt es keine Kalorien, denn es hat so viel Cholesterin, dass diese keinen Platz haben.» Als er das Restaurant damals eröffnete, hätten die Einwohner von Akko gesagt, er sei bekloppt. «Zum Erfolg braucht es grosse Eier, Glück und Fleiss», ist Jeremias überzeugt. Wenn seine Kunden bezahlen, habe er nur ein Ziel vor Augen: Seine Gäste aus aller Welt müssen sich fragen, wann und mit wem sie wieder in sein Restaurant kommen.

Das biblische Israel

Akko ist nur 40 Kilometer von Nazareth entfernt. Der auf einem Hügel gelegene Ort, wo Jesus seine Kindheit verbrachte, ist heute die grösste arabische Stadt Israels und quasi ein Vorposten zum Heiligen Land, denn von dort erreicht man den See Genezareth mit der von Herodes erbauten Stadt Tiberias in lediglich 45 Fahrminuten. Für christliche Pilger befinden sich in diesem Teil von Galiläa die meisten Attraktionen: die Bergpredigtkirche (Mount of Beatitudes), Magdala (Geburtsort von Maria), Tabgha mit der Brotvermehrungskirche und Ruinenresten sowie Capernaum mit seiner Synagoge und Mosaiken.

Der See, gut 200 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen und das einzige Frischwasserreservoir im Land, könnte heute die Wunder von Jesus brauchen, denn im Oktober 2018 hat der Wasserspiegel einen neuen historischen Tiefstand erreicht. Nun ist es verboten, Wasser aus dem beliebten Badesee zu pumpen.

Nördlich des Sees breitet sich das Hula-Tal aus. Zweimal pro Jahr halten hier nicht weniger als 500 Millionen Zugvögel und rund 390 Arten auf ihrer Reise von Europa nach Afrika Station. Und im Herbst fliegen 100000 Kraniche über das Gebiet. Ein Viertel der stolzen Vögel schlagen in dieser Gegend ihr Winterquartier auf.

18000 Menschen leben im nördlichen Teil von Galiläa, oft in einem der 29 Kibbuze. Besucher können aus 1500 Hotelzimmern oder Bed&Breakfast wählen. Diese Ecke gehört mit ihrer Natur zu den friedlichsten und verschlafensten von ganz Israel. Velo- und Wanderrouten und sogar Riverrafting stehen zur Auswahl.

Nano Marom (59) ist von Zichron Yaakov Nähe der Karmel-Berge nach Maayan Baruch umgezogen. Am Horizont zeichnet sich bei klarer Sicht der Berg Hermon ab, mit 2812 Metern über Meer höchster Punkt im Land. «Als ich den Ort sah, war ich sofort elektrisiert», begründet er seinen Umzug. Sein Einkommen verdient er dank zwei Gästehäusern, wobei es die Tourismusströme zu selten in den äussersten Norden von Israel schaffen.

Hochsaison sei von Juli bis September, im Januar/Februar schneit es in den nahgelegenen Golan-Höhen. «Nano’s Place», ein Zimmer wie es auch auf Hebräisch heisst, serviert das beste israelische Frühstück des 400-Seelen-Dorfs.

ASK THE LOCALS!                                                                                                                                                                   

Victor Genawi (35) Hoteldirektor, Akko

«Die Altstadt von Akko steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Schauen Sie sich dort den Markt an, idealerweise in den Morgenstunden ab 9 Uhr. Den besten Hummus gibt es im kleinen Restaurant Said (samstags geschlossen), die besten Salate und den frischesten Fisch im Doniana mit einem Rundblick aufs Mittelmeer.»

                                                                                                                                                                                                  

Wein von den Golan-Höhen

Die Golan-Höhen sind ein attraktives Tagesziel ab Maayan Baruch. Das Plateau mit vulkanischer Erde wird neuerdings als Weinroute vermarktet, gehören doch die Rebensäfte aus dem Golan zu den besten von Israel (Details auf S. 14). Hier, genauer in Moschaw Nov (Moschaw steht für eine landwirtschaftliche Siedlung, ähnlich wie Kibbuz) östlich vom See Genezareth, leben der in Arizona geborene Ari und die gebürtige Manchesterin Aviva Levine, beide 68-jährig. Sie sind Eltern von acht Kindern und nicht weniger als 27 Grosskindern. Das Paar hat sich einst in einem Kibbuz ausserhalb von Jerusalem getroffen. Ari, der in Israel in der Gehirnwissenschaft doktorierte, zog es damals nach Israel, weil er Hebräisch lernen wollte. Aviva, eine gelernte Mikrobiologin, ist die Tochter von Zionisten und wohnt seit ihrem dritten Lebensjahr in Israel.

Das Akademiker-Paar bestellt 5000 Quadratmeter Land und ernährt sich unter anderem von Gemüse und Früchten der Marke Eigenanbau. Begeistert bezeichnet sich Ari als «Gentleman Farmer» und schwärmt von der guten Luft und der Ruhe im ländlichen Golan. «Ich mag hier die Natur, fernab der Städte. Wenn unsere Familie zusammenkommt, sind wir über 40 Menschen», erzählt der Wissenschafter. Die koscher lebenden Levines erklären, dass im Golan über 30 alte Synagogen gefunden wurden. Die älteste war 2500 Jahre alt. Der Golan sei jener Ort in Israel, wo sich die vertriebenen Juden zuerst niederliessen.

Ari und Aviva lieben den Austausch mit Besuchern und vermieten drei Bungalows für Selbstverpfleger. Die Nacht kostet 400 Schekel oder gut 100 Franken (avivalevin.co.il/ english). Ein Aufenthalt ist das perfekte Kontrastprogramm zum touristischen Israel.

Reto E. Wild


Weiterführende Links

www.visit-haifa.org/ger/
www.akko.org.il/de/

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